Bronz timpuriu (Post-Coţofeni)

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Letzte Änderung: Mai 2007

Einleitung

An dieser Stelle werden alle frühbronzezeitlichen Kulturgruppen Rumäniens behandelt, die zeitlich auf die Coţofeni-Kultur folgen und deren Verbreitungsgebiet (Oltenien, Muntenien, Siebenbürgen) okkupieren. Eine Sonderrolle spielt der Banat, da sich dort – wie in so vielen Perioden – die Kulturen des Karpatenbeckens mit den Kulturen des unteren Donauraums vermischen. Auf die dort vorhandenen Funde wird hier daher nur teilweise Rücksicht genommen. Unberücksichtigt bleiben in den meisten Fällen die Fundorte Nordbulgariens, derer man sicherlich einige mit der walachischen Kulturentwicklung verbinden kann.

Die Festlegung des Beginns der Frühbronzezeit schwankt in der rumänischen Forschung bis heute und hängt auch mit der klassischen Anlehnung an einige nichtrumänische Chronologiesysteme zusammen, nach denen man schon die Coţofeni-Kultur durch ihre Gleichzeitigkeit mit der Ezero- oder der Jamnaja-Kultur als frühbronzezeitlich ansprechen könnte (für einen frühen Ansatz zum Beispiel Vulpe 2001). Die von Petre Roman 1986 für Siebenbürgen und die Walachei erstellte dreistufige Gliederung hat sich aber in der Forschung weitestgehend etabliert. Roman sah wie schon einige Autoren vor ihm den Beginn der Frühbronzezeit mit dem Ende der Coţofeni-Kultur verknüpft, was jedoch in den unterschiedlichen Verbreitungsräumen unterschiedlich schnell vonstatten gehen soll (Roman 1986). Auch wenn die genaue Datierung einiger Gruppen von Autor zu Autor schwankt, so bleibt das Roman-System dennoch die terminologische Basis. Für Siebenbürgen muss an dieser Stelle H. Ciugudean erwähnt werden, der – in Anlehnung an das Roman-System – eine dreistufige FBZ-Chronologie erstellte (Ciugudean 1996 und 1998).

In den letzten Jahren passten sich die Forscher vor allem im Westen Rumäniens jedoch immer mehr dem ungarischen Chronologiesystem an. So ordnet H. Ciugudean die Coţofeni-Kultur ganz dem Spätäneolithikum zu und verzichtet somit auch komplett auf die sogenannte “Übergangsperiode” (Ciugudean 2000). Ebenso lehnt Fl. Gogâltan eine Übertragung der Roman-Chronologie auf den Banat ab und er stellt sich gegen die Chronologie Vulpes. Seine dreistufige Gliederung entspricht eigentlich der ungarischen Chronologie und setzt den Beginn der FBZ folglich mit der Makó-Kosihy-Čaka-Kultur gleich (Gogâltan 1999a). Sie ist daher nicht mit Romans und Ciugudeans Gliederungen synchron, was durch die Tatsache erschwert wird, dass alle Autoren die gleichen Stufenbezeichnungen (Bronz Timpuriu (BT) I-III bzw. FBZ/EBA I-III) benutzen.

Alle hier behandelten Gruppen - Ciomortan, Copăceni, Dâmboviţa-Muscel, Glina, Gornea-Orleşti (Gornea-Vodneac), Iernut, Jigodin, Livezile (Bedeleu), Năeni (Odaia Turcului), Schneckenberg, Şoimuş, Zăbala und Zimnicea-Mlăjet - sind mäßig bis sehr schlecht erforscht, weswegen sich die Bezeichnung „Kultur“ eigentlich verbietet, und es sei darauf hingewiesen, dass die chronologische Fixierung, Annullierung, Umbenennung oder Fusion vorhandener Gruppen ebenso wie die Bildung komplett neuer Gruppen immer noch in vollem Gange ist, zumal sich manche Gruppenabtrennungen methodisch sehr problematisch darstellen. Es mutet zum Beispiel merkwürdig an, dass einige, zum Teil sogar gleichzeitige Gruppen ausschließlich mit Gräbern (Zimnicea-Mlăjet; Dâmboviţa-Muscel), andere jedoch fast ausschließlich mit Siedlungen definiert wurden (Glina; Gornea-Orleşti). Und als Paradebeispiel für die Probleme, die mit der schwammigen Gruppentrennung einhergehen, sei Gligoreşti – “Holoame” erwähnt, ein Fundort, wo sich mit Livezile, Copăceni, Şoimuş und Iernut die Materialien von gleich vier Gruppen vermischen (Gogâltan 1997). Da die damit verknüpften Probleme hier aber ohnehin nicht gelöst werden können, werden vorhandene Gruppen als momentaner Forschungsstand akzeptiert und auch als solche behandelt.

Da die Quellenlage der meisten Gruppen die übliche, nach Siedlungswesen, Totenritual, etc getrennte Bearbeitung nicht rechtfertigt, werden sie im Folgenden jeweils nur kurz zusammengefasst. Gut erforschte Kulturen, die räumlich oder zeitlich zwar teilweise zugehörig sind, aber größtenteils in eine andere Periode oder in einen anderen Raum gehören (wie zum Beispiel Jamnaja (Grubengrabkultur/”Ockergrabkultur”), Monteoru, Tei, aber auch, je nach Chronologiesystem, Coţofeni selbst), werden jedoch in eigenen Dateien behandelt.

Trotz des Forschungsstandes gibt es zahlreiche Versuche, die Gruppen in einen überregionalen Zusammenhang zu stellen. Als mögliche Synchronisationspartner lassen sich dabei in der Literatur alle spätkupferzeitlichen und frühbronzezeitlichen sowie einige mittelbronzezeitlichen Kulturen und Gruppen Südosteuropas finden. Das Fundinventar der walachischen und siebenbürgischen Frühbronzezeit erlaubt dies nämlich durchaus. Besonders häufig geschehen diese Vergleiche mit den Metallfunden, vor allem den Äxten, deren typologische Gliederung und Nomenklatur nach Vulpe von allen Autoren übernommen wurde (Vulpe 1970). Immer werden als potenzielle Einflussgeber die drei umliegenden großen Kulturzentren des Karpatenbeckens, der pontischen Steppen und der Ägäis (und damit verbunden auch Anatolien) genannt. Einen interessanten Ansatz verfolgte J. Machnik, der die Gemeinsamkeiten aller Frühbronzezeitkulturen Südosteuropas aufzeigte, sie in einen Zusammenhang mit der kaukasischen Kuro-Araks-Kultur stellte (Samšvilde-Koda-Typ), eine Verbindung über die Steppe aber wegen des zu unterschiedlichen Jamnaja-Kulturkreises ablehnte (Machnik 1991).

In der Tat lassen sich anhand einiger in praktisch allen Gruppen vorkommender Artefakte, wie Tierstatuetten, Radmodelle (z.T. auch Wagenmodelle), Krummmesser oder Silexpfeilspitzen mit konkaver Basis, aber auch seltenerer Stücke und Merkmale wie Knochenschieber (Popescu 2001), “Igel”-Verzierung (Băjenaru 1996), Schnurverzierung (Bertemes 1998) oder innen verzierte Fußschalen (Schuster 1995a), solche Vergleiche zumindest im engeren südosteuropäischen Rahmen ziehen. Sie verbinden die einzelnen Gruppen untereinander und leiten zudem zur folgenden Mittelbronzezeit mit den klassischen großen Bronzezeitkulturen über, deren Beginn meist jedoch im Dunkeln liegt und zu dessen Erforschung eine rasche Aufarbeitung und Gliederung des frühbronzezeitlichen Materials der unteren Donau und Siebenbürgens sicher einen Großteil beitragen könnte.

Absolutchronologisch lassen sich die Gruppen nur über externe Vergleiche ungefähr in die Zeit zwischen etwa 2750 und 2100 v. Chr. einordnen. Eigene Radiokarbondaten sind außerordentlich selten (vorhanden z.B. in Livezile). Gute Übersichten über die Radiokarbondaten der spätkupferzeitlichen und bronzezeitlichen Kulturen des westlich angrenzenden Karpatenbeckens liefern Băjenaru (Băjenaru 1998a) und Gogâltan (Gogâltan 1999a, Taf. 1-20). Da sich das mehrfach modifizierte Reineckesystem trotz der damit verbundenen methodischen Problematik, ein in Süddeutschland entwickeltes Metallchronologiesystem auf hauptsächlich keramisch definierte Kulturen und Gruppen Südosteuropas anzuwenden, immer wieder in der Literatur findet, sei noch erwähnt, dass die Stufe Bz. A1 in etwa mit der Stufe BT III einhergeht.

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