Bronz timpuriu (Post-Coţofeni)

Glina

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Datierung: FBZ I-II

Verbreitung: Oltenien, Westmuntenien

Die Gruppe ist benannt nach den 1926 von I. Nestor durchgeführten Grabungen im Tell von Glina bei Bukarest. Sie wurde in der zugehörigen Publikation als Kultur erkannt und definiert (dazu Băjenaru 1995, 185) und im Laufe ihrer Forschungsgeschichte wurde sie häufig mit ihrem nördlich angrenzenden Nachbarn, der Schneckenberg-Gruppe, zu einer Kultur zusammengefasst (siehe dazu Schuster 1998, 26). Die Trennung hat sich aber in der rumänischen Forschung durchgesetzt (ebd.), was auch daran liegt, dass die Existenz einer eigenen Schneckenberg-Gruppe von einigen Forschern sogar komplett abgelehnt wird, und die südostsiebenbürgischen Schneckenbergfunde der Glina-Gruppe oder den neu entdeckten Năeni- und Jigodin-Gruppen zugeschrieben werden (Vulpe 1991; Băjenaru 2003). Die häufig verwendete Bezeichnung Glina III rührt von der Schichtenabfolge des eponymen Fundorts her, wo die dritte Schicht als die frühbronzezeitliche Schicht verzeichnet wurde. Heute spricht man jedoch meist von der Glina-Kultur (Schuster 1995, 129). Cr. Schuster machte sich durch zahlreiche Aufsätze um die Erforschung der Glina-Gruppe besonders verdient.

Das Glina-Verbreitungsgebiet umfasst beinahe die ganze Walachei (Ostgrenze: Mostiştea), einen Teil Südostsiebenbürgens (umstritten, s.o.) sowie, in der jüngeren Phase, Teile Nordbulgariens (Schuster 1995, 129). Es sind allein in der Walachei etwa 350 Fundpunkte bekannt (Schuster/Morintz 2006, 43f.), von denen aber nur wenige erforscht sind. Ob die Glina-Gruppe im Ostbanat verbreitet ist, ist umstritten. Während sich M. Gumă für das Vorhandensein einiger Glina-Elemente ausspricht (Gumă 1997), argumentiert Fl. Gogâltan dagegen (Gogâltan 1999a, 380).

R. Băjenaru rechnet der Kultur nur ein sicheres Grab zu, und zwar die exzeptionelle Siedlungsbestattung von Căscioarele (Băjenaru 1995, 185), die von Schuster jedoch nicht der Glina-Kultur zugerechnet wird (Schuster 2003, 112). In der Literatur finden sich aber einige weitere Fundorte, die der Glina-Kultur zugeordnet wurden (zum Teil auch im Grabkatalog), und es handelt sich dabei meist aufgrund heterogener oder fehlender charakteristischer Beigaben um nicht genau datierbare Gräber oder um Fundorte, die unter die Glina-Schneckenberg-Năeni-Odaia-Turcului-Diskussion fallen und deren kulturelle Zugehörigkeit von Autor zu Autor wechselt. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Hügelgräber von Verbiţa, die trotz eindeutiger Glinakeramik wegen eines silbernen Lockenringes und der Grabsitte von manchen Forschern als Jamnaja-Bestattungen angesprochen werden. Es sei auch angemerkt, dass viele beigabenarme Gräber früher anscheinend einfach deswegen häufig pauschal der Glina- oder Schneckenberg-Gruppe zugeordnet wurden, weil beide sehr früh in der Forschung erkannt wurden, während die vielen kleinen FBZ-Gruppen noch unbekannt waren. Nach Cr. Schuster, der einige dieser Gräber auflistet, ist die einzige Bestattung, die der Glina-Gruppe relativ sicher zugeordnet werden kann, der linke Hocker des Flachgrabes von Bucureşti – “Fundeni Zidurii între Vii” (Schuster 2003, 112ff.). Streng genommen gibt es jedoch kein einziges sicheres Glinagrab (Schuster/Morintz 2006, 44ff.).

Zu den mehr als 300 Fundpunkten gehören etwa 130 Siedlungen, die immer in Gewässernähe (auch auf Inseln) und fast ausnahmlos auf erhöhten Positionen, das heißt Terrassen oder Hügeln, und auch auf verlassenen Tells, errichtet wurden. Des Weiteren existieren auch Höhlensiedlungen (Schuster 1995, 131). Befestigungen wurden nur selten nachgewiesen (Băjenaru 1995) und kommen zum Beispiel in Odaia Turcului, Crivăţ oder Orbeasca de Sus vor (Schuster 2000, 365f.). Schuster sieht eine zunehmende Verschiebung der Siedlungen in Höhenlagen während der zeitlichen Entwicklung und damit der Westausbreitung der Kultur (Schuster 1995, 130). Die innere Gliederung der Siedlungen ist kaum erforscht, alles deutet jedoch auf kleine Weiler mit wenigen, engstehenden Häusern hin, die man in zwei Typen, mit und ohne ausgehobene Hausgrube, trennen kann. In allen Behausungen wurden Geräte, Scherben und Tierknochen (auch Muscheln und Schnecken) gefunden. Die Zusammensetzung der Tierknochen (v.a. Herdentiere; Hundeknochen) und die geringe Größe der Siedlungen lassen auf eine klar von der Viehzucht geprägte Wirtschaftsweise schließen (Schuster 2000, 362) und auf eine „aussergewöhnliche Mobilität der Glina-Gemeinschaften“ (Schuster 2003, 113).

Die Keramik kann man in eine fast immer unverzierte dunkle Feinkeramik (Schüsseln und kleine Krüge) und die häufigere Grobkeramik trennen. Letztere ist von uneinheitlicher, grauer bis roter Farbe und mit Steinchen und zerstoßenen Scherben gemagert. Es handelt sich vor allem um größere Gefäße, die meist am Rand mit Knubben oder horizontalen plastischen Leisten verziert sind. Eine unbedingt zu erwähnende Sonderform stellt die weiß inkrustierte Keramik des Typs Runcuri dar, anhand derer Kulturbeziehungen mit Siebenbürgen (v.a. Jigodin) und dem Karpatenbecken (Vučedol ff.) erkennbar sind (Băjenaru 2003a). Zu den Kupferartefakten zählen in erster Linie flache Äxte (auch Gussformen) und Schaftlochäxte des Dumbrăvioara- und Veselinovo-Typs, außerdem kleine Geräte (Pfrieme etc.) und ein Dolch, anhand dessen ein südlicher Einfluss greifbar sein soll. Als typische Frühbronzezeitfunde erweisen sich zudem Pfeilspitzen mit konkaver Basis, Tierplastiken, Tonäxte, Radmodelle und Krummmesser. Von besonderer Bedeutung für die Erforschung der folgenden mittelbronzezeitlichen Kulturen sind ein tragbarer Herd aus Căscioarele, tönerne Gefäßdeckel und eine ganze Reihe von Tonwagenmodellen (Schuster 1996, 117). Gute Typentafeln finden sich nach wie vor bei P. Roman (Roman 1976), viele der Fundklassen wurden jedoch mittlerweile einzeln behandelt, so z.B. die Steingeräte oder die Tonplastik (Schuster 1998a und 1998b).

Eine innere Gliederung der Kultur ist wegen der Einheitlichkeit des Materials nur schwer zu fassen. Dennoch wurde die Kultur in vier Phasen geteilt (Schuster 1995, 129). Die vorhandenen Vertikalstratigraphien, zum Beispiel in Odaia Turcului (jud. Dâmboviţa), Năeni-Zănoaga (jud. Buzău), Ostrovul Corbului (jud. Mehedinţi), Braneţ (jud. Olt) oder Verbicioara (jud. Dolj) sind diesbezüglich keine große Hilfe (Băjenaru 2003a, 15), helfen jedoch bei der externen chronologischen Abgrenzung der Kultur. In Braneţ überlagern drei Glina-Schichten zwei Schichten der Coţofeni-Kultur (Băjenaru 2003, 141 Anm. 3), und in Verbicioara liegt die Glina-Schicht zwischen Schichten der Coţofeni- und der Verbicioara-Kultur (Tasić 1984, 84). Als besonders aufschlussreich erwiesen sich die Stratigraphien von Năeni und Odaia Turcului, anhand derer die Năeni- bzw. Odaia-Turcului-Gruppe definiert wurden.

Man geht davon aus, dass die Glina-Gruppe, deren Ursprung im Dunkeln liegt, aber mit Cernavodă II in Verbindung gebracht wird, in Muntenien entsteht. Auch scheinen in diesem Zusammenhang die im Coţofeni-Raum fremd auftauchenden Funde vom Zimnicea-Mlăjet-Typ eine Bedeutung zu haben. Von Muntenien aus breitet sich die Gruppe immer weiter nach Westen ins Coţofeni-Gebiet aus, was mit einem Einfluss der unmittelbar östlich angrenzenden Jamnaja-Kultur zusammenhängen soll (Schuster 2000). Diese West-Bewegung der Glina-Kultur führt auch dazu, dass die Coţofeni-Kultur, sowohl in Siebenbürgen als auch in der Walachei, im Westen eine längere Entwicklung durchmacht als im Osten, wo sie frühzeitig von der Zimnicea-Mlăjet- und der Zăbala-Gruppe abgelöst wird. Durch diese Gleichzeitigkeit der jüngeren Coţofeni-Stufen im Westen mit den älteren Glinastufen im Osten stellen Coţofeni-III-Scherben in Glinafundensembles stratigraphisch auch kein Problem dar. Gegen diese “klassische” Abfolge stellt sich R. Băjenaru, der eine Gleichzeitigkeit von Glina und Coţofeni ablehnt (Băjenaru 2003a, 17).

Ob in Südostsiebenbürgen auf Zăbala dann jedoch Schneckenberg A oder Glina folgt, ist ein ungelöstes Problem. Man kann aber davon ausgehen, dass die ältesten Glinafunde (Glina I) älter sind als Schneckenberg A (Schuster 2000, 361). Die Diskussion ist noch im Gange und eng mit der Năeni-Odaia-Turcului-Frage verknüpft. Vulpe und Băjenaru, die die Existenz einer Schneckenberg-Gruppe in Frage stellen, identifizieren die Schneckenberg-A-Funde mit Glina (Vulpe 1991 und 2001, 423) und setzen die gesamte Glina-Kultur in Muntenien aufgrund der Stratigraphie von Odaia Turcului zeitlich vor die Năeni-(=Schneckenberg-B)-Odaia-Turcului-Gruppe (Băjenaru 1995, 186 und ders. 2003). In Oltenien hingegen folgt auf Glina vor dem Beginn der MBZ, das heißt der Verbicioara-Kultur, noch der Textil- und Besenstrichhorizont der FBZ III vom Typ Gornea-Orleşti (=Gornea-Vodneac).

Als die besterforschte Gruppe der rumänischen FBZ wird die Glina-Gruppe besonders häufig mit anderen Kulturen verglichen und ins südosteuropäische Kulturgeflecht zwischen den pontischen Steppen, Anatolien, der Ägäis und dem Karpatenbecken eingebunden. Es stellt sich jedoch auch bei der Glina-Gruppe die Frage, wie weit man mit solchen Vergleichen angesichts des Forschungsstandes gehen sollte. Nur auf den externen Vergleichen basiert auch die absolutchronologsiche Datierung der Glina-Gruppe zwischen etwa 2650 und 2400 v. Chr. (Băjenaru 1998a).


© 2007-2009 Matthias Thomas
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