Bronz timpuriu (Post-Coţofeni)

Livezile (Bedeleu; Westkarpatische Hügelgräber)

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Datierung: FBZ I

Verbreitung: Westsiebenbürgen

Die Livezile-Gruppe wurde erst Mitte der 1980er Jahre unter dem Namen Bedeleu-Gruppe durch die Zusammenstellung einiger Hügelgräber vom Ostrand der Apuseni-Berge definiert, deren eponyme Vertreter Bedeleu (heute: Izvoarele, jud. Alba) und Livezile, jud Alba, jedoch bereits im 19. Jahrhundert ergraben wurden. Hinzu kommen eine ganze Reihe von Neufunden, wobei das gut veröffentlichte Gräberfeld von Ampoiţa besonders zu erwähnen ist (Ciugudean 1991). Zum Teil findet man die Gruppe auch unter dem Begriff “Grupul tumular vest-transilvănean” (Ciugudean 1995, 140). Vor der Zusammenstellung zu einer eigenen Gruppe schwankte die Zuordnung der Gräber zwischen der Coţofeni-Kultur, der “Ockergrabkultur” oder der Schneckenberg-Kultur. Besonders problematisch gestaltet sich die Trennung von Livezile und dem jüngeren Copăceni, da beide Gruppen zum Teil mit den gleichen Fundorten definiert wurden (Rotea 1995). Interessanterweise fasste H. Ciugudean im gleichen Buch die Copăceni-Funde als jüngere Phase mit Livezile zusammen (Ciugudean 1995). Später führt er sie aber getrennt auf (Ciugudean 1997 und 1998).

Das Totenritual (Ciugudean 1997, 5f.; Grabkatalog: Ciugudean 1995a) besteht aus mit Steinen bedeckten und überhügelten Hockerbestattungen, die ohne Grabgrube unmittelbar auf der Erde niedergelegt wurden. Teilweise wurden die Skelette in nicht-anatomischem Verband gefunden und die Knochen – zum Teil mehrerer Individuen – waren zu einem Haufen zusammengelegt. Die in den jüngeren Gräbern von Ampoiţa und Meteş auftauchenden Brandbestattungen, sowohl Urnen als auch Schüttungen, gehören eher in die Copăceni-Gruppe (Ciugudean 1995, 147). Die am besten erforschte Siedlung ist die zweiphasige, etwa 700 m hoch gelegene Höhensiedlung von Livezile – “Baia” (Ciugudean 1997a). Weitere Siedlungen finden sich in Zlatna oder Cheile Mănăstirii (Ciugudean/Anghel 2000).

Das Spektrum an Geräten entspricht dem der anderen Gruppen und auch hier sind in erster Linie metallene Äxte (Typ Dumbrăvioara und Baniabic), steinerne Äxte und Krummmesser zu nennen, sowie die immer vorkommenden kleinen Knochen- und Silexgeräte. Das Schmuckrepertoire umfasst neben durchbohrten Tierzähnen besonders viele Typen aus Metall (Kupfer und Arsenbronze), darunter brillenförmige Doppelspiral-Anhänger, Perlen, Ohrringe, Nadeln und Armringe. Besonders zu erwähnen sind außerdem zwei goldene Lockenringe vom Leukas-Typ aus Ampoiţa, deren Parallelen sowohl in der Ägäis als auch an der Adria gesucht werden (Ciugudean 1997). Die Gefäße der Gruppe lassen sich in eine rötliche Grob- und eine dunkle Feinkeramik einteilen und enthalten noch viele Spät-Coţofeni-Traditionen. Die Verzierung der Gefäße (v.a. Krüge, Amphoren und Schüsseln) besteht neben Barbotine, einfachen Einstichen, plastischen Leisten und Knubben zusätzlich aus horizontalen Bändern mit diagonalen Einritzungen und mit ebensolchen gefüllten Rhomben. Selten erscheint Furchenstich, der als Coţofeni-Tradition angesehen wird (Ciugudean 1997). Ebenso erinnern manche Verzierungen an Cernavodă II (Ciugudean 1995, 146). Eine Gemeinsamkeit mit vielen anderen karpatischen Frühbronzezeitkulturgruppen sind die zoomorphen Statuetten (Ciugudean 1997a, 39 Abb. 17), eine Besonderheit das “Bukranium-Idol” von Cheile Aiudului (Ciugudean 1997, 29 Nr. 18).

Livezile wird mit Kostolac, Vučedol, Zăbala und älterem Schneckenberg parallelisiert, deren Elemente alle in der Livezile-Keramik spürbar seien (Ciugudean 2000, 117f.), ebenso sei ein Einfluss der Jamnaja-Kultur im Totenritual spürbar (Ciugudean 1997b, 45). Die Gruppe wird von H. Ciugudean in die FBZ I datiert (Ciugudean 1998), was auch der Synchronisation mit Zăbala entspricht, die Zs. Székely vornimmt (Székely 1998). Absolutchronologisch lässt sich die Livezile-Gruppe mit Hilfe einer einzigen Radiokarbondatierung ungefähr ins zweite Viertel des 3. Jts. einordnen (Ciugudean 1997a, 44 Abb. 22).


© 2007-2009 Matthias Thomas
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