Bronz timpuriu (Post-Coţofeni)

Năeni-Odaia-Turcului

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Datierung: FBZ III

Verbreitung: Südostsiebenbürgen, Muntenien

Die Definition der Năeni-Odaia-Turcului-Gruppe ist wohl die umstrittenste aller hier behandelten Gruppen. Sie basiert eigentlich auf der Leugnung der Existenz der Schneckenberg-Gruppe und einer Aufteilung des Fundinventars derselben in die Glina-Gruppe und die Năeni-Gruppe und, damit verbunden, der Odaia-Turcului-Gruppe, was nur von einem Teil der Forscher akzeptiert wird. Angestoßen wurde diese Diskussion, in der im Übrigen auch die Jigodin-Gruppe eine Rolle spielt, durch das Ergraben der eponymen Siedlung von Odaia Turcului, jud. Dâmboviţa, wo eine Schicht mit Schneckenberg-B-ähnlichem Material drei Schichten der Glina-Kultur überlagerte und gleichzeitig auch deren Befestigungsgraben ausfüllte (Tudor 1982), und der Siedlung und Gräber von Năeni - “Colarea”, jud. Buzău, deren Fundmaterial A. Vulpe veranlasste, den Schneckenbergbegriff abzulehnen und die Begriffe Odaia-Turcului-Gruppe und Năeni-Schneckenberg-Gruppe bzw. (später) Năeni-Gruppe einzuführen (Vulpe 1981 und 1991). Durch das Erkennen ähnlichen Materials in den unteren Schichten von Sărata Monteoru wurden beide Gruppen von vornherein mit den ältesten Stufen der Monteoru-Kultur (IC4,1 und IC4,2) nicht nur verglichen, sondern Vulpe ordnete diese beide Stufen kurzerhand den neuen Gruppen zu und setzte den Beginn der eigentlichen Monteoru-Kultur damit mit der Stufe IC4,3 an (Vulpe 1991). Băjenaru, der sich in mehreren Aufsätzen mit der Problematik befasste, bestätigte die Auffassung Vulpes (Băjenaru 1998) und vereinheitlichte sodann sogar die beiden Gruppen und fügte sie unter dem Odaia-Turcului-Begriff zusammen. Er bildet drei Stufen (Băjenaru 2003, 146), die er mit den oben genannten Fundorten definiert, sowie mit dem Material der mehrschichtigen Siedlung “Cetăţuia 2” von Năeni-Zănoaga (Motzoi-Chicideanu/Şandor-Chicideanu 2001). Gegner dieser neuen Gliederung der jüngeren Frühbronzezeit gibt es einige: Die Existenz einer eigenen Năeni-Gruppe wurde vor allem von den Monteoru-Forschern strikt abgelehnt, und E. Zaharia, I. Motzoi-Chicideanu und M. Şandor-Chicideanu sehen das Material als älteste Stufe der Monteoru-Kultur an (Zaharia 1987; Motzoi-Chicideanu 1995; Motzoi-Chicideanu/Şandor-Chicideanu 2001). Schuster akzeptiert zwar das Vorhandensein der beiden Gruppen, plädiert aber für die klassische Trennung in Glina und Schneckenberg und führt Năeni auf einen Schneckenbergvorstoß nach Süden zurück (Schuster 1998, 26f.).

Totenritual und Siedlungswesen sind noch nicht zusammenfassend behandelt worden und ersteres wird in erster Linie durch die Steinkistengräber von Năeni repräsentiert (Vulpe 1981). Man kann aber mutmaßen, dass weitere Gräber dieser Art der Gruppe zugeordnet werden könnten (Schuster 1998, 27) und in diesem Zusammenhang können wohl auch die Gräber der Dâmboviţa-Muscel-Gruppe genannt werden. Das Siedlungswesen lässt sich am besten in der Siedlung von Odaia Turcului beobachten, wo neun kleine Häuser (ca 4 x 5 m) ergraben wurden. In dieser Zeit wurde auch der Befestigungsgraben der Glina-Siedlung verfüllt (Băjenaru 2003, 142).

Das Fundgut der Gruppe setzt sich in erster Linie aus Keramik zusammen (Băjenaru 2003, 143 Abb. 2), die sich typologisch vor allem in Schüsseln, Becher und Amphoren gliedern lässt und sich doch deutlich von der Keramik der Glina-Gruppe abhebt. Dafür sprechen vor allem die Schüsseln mit zwei oder vier randständigen Henkeln und die Becher mit winziger runder Standfläche. Erwähnenswert sind außerdem Kantharoi, Deckel, T-förmige Ränder, Ausgusstüllen, überrandständige Ösen und hochgezogene Henkel. Die Keramik ist meist unverziert, Ausnahmen bilden – neben den obligatorischen plastischen Leisten in Randnähe – jedoch das Igelmotiv und die Verzierung vom Typ „Năeni-Schneckenberg“, die aus mit kleinen Einstichreihen begrenzten Bündeln aus waagrechten oder diagonalen Ritzlinien besteht, kombiniert mit halbmondförmigen Motiven und plastischen Leisten (Băjenaru 2003, 145 Abb. 4). Sie ist das Hauptargument in der oben kurz umrissenen chronologischen Diskussion. Die weiteren Funde – z.B. Radmodelle, Steingeräte, ein Dolch – heben sich nicht sonderlich vom üblichen FBZ-Repertoire ab, außer einem „Knochenschieber“ aus der IC4,2-Schicht von Sărata Monteoru, auch wenn dessen Zugehörigkeit zu dieser Schicht kürzlich in Frage gestellt wurde (Popescu 2001, 28f.).

Es wird versucht, die Gruppe aufgrund einzelner Funde und Merkmale wie der Igelverzierung (Băjenaru 1996), den Knochenschiebern oder den Gefäßen mit Ausgusstülle (Băjenaru 2003) mit der bulgarischen, makedonischen, ägäischen und anatolischen Frühbronzezeit in Beziehung zu setzen. Zwar können diese Vergleiche sicherlich nicht zur genauen chronologischen Fixierung beitragen, dass die angeführten Merkmale jedoch den Ausdruck eines über den Balkan vermittelten anatolisch-ägäischen Einflusses darstellen, scheint plausibel. Da viele dieser Merkmale auch häufig im Karpatenbecken erscheinen - und dies gilt nicht nur für die Knochenschieber und das Igelmotiv, sondern auch für die vierhenkligen Schüsseln und Kantharoi -, könnte der Odaia-Turcului-Gruppe eine entscheidende Rolle als Bindeglied zwischen den großen Kulturzentren zukommen.

Chronologisch ordnete Roman die Funde von Năeni und Odaia Turcului seiner zweiten Stufe der FBZ zu (Roman 1986, 31). Akzeptiert man jedoch die These, beide Aspekte seien jünger als Glina - die Andersartigkeit vor allem des Odaia-Turcului-Materials unterstützt dies ebenso wie der stratigraphische Befund -, so muss sich eine Datierung in die FBZ III ergeben, was auch dadurch unterstützt wird, dass man in Muntenien nicht unbedingt von einer Anwesenheit des Textil- und Besenstrichmusterhorizonts ausgehen kann (dazu Schuster 1998, 28f.).

Die Gruppe, sofern sie denn existiert, erstreckt sich nach Băjenaru mindestens auf Muntenien und Südostsiebenbürgen. Darüberhinaus sind vergleichbare Funde aber bis nach Oltenien (Băjenaru 2003, 146) und eventuell sogar bis in den Ostbanat (Gogâltan 1999, 381) zu verfolgen. Keiner dieser Funde erlaubt es aber momentan, von einer Verbreitung so weit im Westen zu sprechen. Gerade in der Năeni-Odaia-Turcului-Diskussion ist in den nächsten Jahren noch viel Bewegung zu erwarten, so dass auch solche Fragen erst nach der Klärung des eigentlichen Problems, nämlich der sauberen Gliederung von Jigodin, Glina, Schneckenberg, Năeni, Odaia Turcului und Monteoru IC4, beantwortet werden sollten.


© 2007-2009 Matthias Thomas
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