Bronz timpuriu (Post-Coţofeni)

Schneckenberg

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Datierung: FBZ I-II

Verbreitung: Südostsiebenbürgen

Die Schneckenberg-Gruppe ist die am frühesten definierte und sogar monographisch erfasste frühbronzezeitliche Kulturgruppe in Rumänien und sie ist benannt nach der Siedlung von Braşov – “Dealul Melcilor” (dt.: Schneckenberg) (Prox 1941). Sie wird häufig in einem Atemzug mit der Glina-(III)-Gruppe genannt. Diese Zusammengehörigkeit wird heute aber immer mehr angezweifelt (dazu Schuster 1998, 26) oder die Existenz einer Schneckenberg-Gruppe generell in Frage gestellt (Vulpe 1991; Băjenaru 2003). Von der Schneckenberg-Gruppe abgetrennt wurde schon vor längerer Zeit ihre ehemals westliche Fazies (Ciugudean 1997, 7).

Die Siedlungen der Gruppe liegen allesamt in erhöhten Positionen, allerdings wurde bislang nur ein Haus ergraben, welches direkt auf dem mit Lehm und Kalksteinblöcken begradigten Felsen errichtet wurde (Cuciulata). Zwar wurden auch in Sf. Gheorghe – “Őrkő” mehrere rechteckige Häuser mit Lehmboden erforscht (Székely 1997, 37ff.), die Siedlung gehört jedoch in die umstrittene Schneckenberg-B-Phase, welche heute eher der Năeni-Gruppe zugeordnet wird (Ciugudean 1997, 8). Die Träger der Schneckenberg-Gruppe bestatteten ihre Toten in Steinkisten, wo sie, in Hockerlage und vor allem mit Gefäßen ausgestattet, niedergelegt wurden. Als Beispiel für eine typische Steinkiste dienen die Gräber von Mediaş (Blăjan 1989), auch wenn sie im Târnava-Mică-Tal in der westlichen Peripherie des Verbreitungsgebietes liegen, wo sich Schneckenberg mit Spät-Coţofeni vermischt (Ciugudean 1995, 143).

Die Keramik setzt sich vor allem aus Krügen, Schüsseln mit Trichterrand und amphorenartigen Gefäßen zusammen. Die Verzierung besteht hauptsächlich aus (von innen herausgedrückten) Knubben und plastischen Leisten, aber auch, in der jüngeren Phase, aus Ritzlinien und vereinzelten Schnurabdrücken. Besonders erwähnenswert hinsichtlich der Häufigkeit des Typs in der karpatischen Mittelbronzezeit ist das Wagenmodell von Cuciulata (Petrescu-Dîmboviţa 1974, 279 Abb. 2,2). Typischste Vertreter der Steinindustrie sind, neben Äxten, Pfeilspitzen mit konkaver Basis und Krummmesser. Einfachere Geräte wie Ahlen und Pfrieme wurden aus Knochen hergestellt, während Tierzähne und Muscheln für Schmuck verwendet wurden. Unter den wenigen Metallobjekten befinden sich Dolche, Nadeln und Schaftlochäxte (Typ Dumbrăvioara), die zum Teil schon aus Zinnbronze hergestellt wurden.

Für die chronologische Positionierung der Schneckenberg-Gruppe existieren verschiedene Thesen, die alle unmittelbar mit den Beziehungen zur walachischen Glina-Gruppe zusammenhängen. Nachdem die alte Dreiphasengliederung durch die Grabungen in Cuciulata verworfen wurde (Ciugudean 1995, 144), wird die Gruppe heute zumeist in zwei Phasen gegliedert (z.B. Machnik 1985; Roman 1986), wobei die ältere Phase A gleichzeitig mit Coţofeni II-III und Glina II sei, in die FBZ Ib-c gehört und auf die Zăbala-Gruppe folgt (Schuster 1998, 26). Die Phase B wurde von Roman mit Glina III synchronisiert und in die FBZ II gesetzt. Diesen Ansatz bestätigt Székely, der Schneckenberg B außerdem mit Jigodin und Coţofeni III als gleichzeitig ansieht, die Gruppe aber wegen der Odaia-Turcului-Stratigraphie komplett vor das älteste Monteoru setzt (Székely 2002). Die Gleichzeitigkeit mit Coţofeni ergäbe sich aus der Tatsache, dass die Coţofeni-Kultur nur in SO-Siebenbürgen und Muntenien mit der Stufe I endet und im Westen die folgenden Stufen dementsprechend mit den Zimnicea-Mlăjet-Funden, Zăbala und Schneckenberg parallel laufen. Die Schneckenberg-Gruppe solle sich zudem, ebenso wie die Glina-Gruppe, nach Westen ausbreiten, wo sie die Coţofeni-Kultur überlagert (Machnik 1985), und was am Erscheinen der zentralsiebenbürgischen Steinkistengräber zu erkennen sei (Roman 1986, 55). Auf Schneckenberg folgt der Besenstrichhorizont, gekennzeichnet durch die Funde von Zoltan (Cavruc 1997).

Gemäß dieser chronologischen Einordnung sollen nach Schuster Glina-Vorstöße ins Burzenland für die Schneckenberggenese verantwortlich zeichnen und wiederum Schneckenberg-Vorstöße nach Süden die Bildung der Năeni-Gruppe bewirkt haben (Schuster 1998, 26f.). Seit der Entdeckung des Grabes von Sânmartin-Ciuc wird auch die Kugelamphorenkultur im Zusammenhang mit der Genese der Schneckenbergkultur genannt (Székely 2002). Die Grenze zwischen Glina und Schneckenberg sei klar greifbar (Schuster 1998, 26f.) und Schneckenberg B gleichzeitig mit Năeni (Székely 2002). H. Ciugudean folgt zwar, ebenso wie Schuster und Székely, der Chronologie Romans (Ciugudean 1998 und 2000), stellte aber bereits vorher die These auf, dass möglicherweise ein Großteil der Schneckenberg-Gruppe wesentlich jünger sei als bisher angenommen (Ciugudean 1997, 8) und sie wohl doch dreiphasig sei (Ciugudean 1995, 144). Noch weiter gehen A. Vulpe und R. Băjenaru, die nach der Entdeckung der Funde vom Typ Năeni und Odaia Turcului die Existenz einer eigenständigen Schneckenberg-Gruppe vollständig ablehnen (Vulpe 1991; Băjenaru 1998 und 2003), da alle der quellenkritisch ohnehin problematischen Schneckenbergfundorte entweder Năeni-, Glina-, oder Jigodin-Material enthielten. Vulpe benutzt lediglich noch den Mischbegriff Năeni-Schneckenberg-B, womit er die Funde meint, die in Südostsiebenbürgen der Glina-Gruppe (= Schneckenberg A) folgen (Vulpe 2001, 423).

Entsprechend der völlig offenen Frage der inneren räumlichen, zeitlichen und terminologischen Abgrenzung variiert auch die Synchronisierung mit anderen Kulturen (Monteoru, Kostolac, Vučedol, Makó, Somogyvár-Vinkovci, Ezero, Nova Zagora, Troja, FH etc.) bei den unterschiedlichen Autoren recht stark. Ohne eine Beantwortung der vielen offenen internen Fragen verbietet sich eine solche jedoch beim heutigen Forschungsstand.


© 2007-2009 Matthias Thomas
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