Bronz timpuriu (Post-Coţofeni)

Şoimuş

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Datierung: FBZ II

Verbreitung: Südwestsiebenbürgen

Die von I. Andriţoiu definierte Şoimuş-Gruppe ist im Süden der Apuseniberge verbreitet und ihre einzigen Fundorte sind zehn Höhensiedlungen, darunter auch der namensgebende Fundort von Şoimuş – “Cuculau” (Andriţoiu 1995). Gräber wurden bis dato keine erforscht, möglicherweise lassen sich aber einige der in der Gegend vorhandenen Hügelgräber der Gruppe zuordnen (Ciugudean 1997, 7).

Das Fundgut der Gruppe wird in erster Linie von Keramik gebildet, und zwar fast ausschließlich von Scherbenmaterial. Bei den wenigen ganzen Gefäßen handelt es sich zudem meist um Miniaturgefäße. Die Keramik lässt sich in eine grobe und eine feine Ware einteilen; formtypologisch stammen die meisten Scherben aber von großen becherartigen Vorratsgefäßen und von Schüsseln. Die Ornamentik ist spärlich und besteht aus lediglich zum Teil mit Einstichen und Abdrücken versehenen plastischen Leisten und Knubben, die oft zu einem rechtwinkligen Motiv zusammengestellt sind. Typische Merkmale der Keramik sind zudem Tunnelhenkel und Ränder mit T-förmigem Rand. Eine kleine Scherbe mit dreieckigen Einstichen wird mit der zweiten Phase der Nir-Kultur (Sanislău) in Verbindung gebracht.

Die restlichen Funde sind bescheiden und verschiedene Typen auch nur singulär vertreten, sie zeigen jedoch das typische FBZ-Repertoire von Spinnwirteln, Radmodellen, zoomorphen Statuetten, steinernen Krummmessern und Pfeilspitzen mit konkaver Basis. Aus Ţebea ist zudem ein Wagenmodell bekannt (Schuster 1996, 117). Der Gruppe sicher zuzuweisende Metallfunde gibt es keine.

Die in Şoimuş und Ţebea vorgenommenen archäozoologischen Untersuchungen zeigen das vollständige Fehlen von Wildtierknochen und einen sehr großen Anteil von Rinderknochen (83 %). Die Analysen wurden jedoch mit einer recht geringen Datenmenge durchgeführt und sind nicht auf andere Fundorte zu übertragen (Andriţoiu 1989, Tabelle 1).

Chronologisch ist die Stellung der Gruppe zwischen den beiden führenden Forschern – I. Andriţoiu und H. Ciugudean – umstritten. Ersterer lässt die Şoimuş-Gruppe aufgrund dreier Vertikalstratigraphien (Ţebea, Şoimuş – “Cuculau” und Almaş Sălişte – “În Săcări”) direkt auf die Coţofeni-Kultur folgen und auch die Ornamentik und Formgebung der Keramik leitet er davon ab. Die Hügelgräber (gemeint ist Livezile) und Copăceni platziert er zeitlich danach und er hält die Zusammenfassung der genannten Gruppen zu einem großen Kulturkomplex für wahrscheinlich (Andriţoiu 1995, 237). Genau umgekehrt ordnet Ciugudean die Gruppe ein. Nach ihm folgt die Gruppe auf Livezile und Copăceni und wird ihrerseits abgelöst von der Iernut-Gruppe des Besenstrichhorizonts. Er vermutet das Vorhandensein zweier Phasen und vergleicht das Material mit Spätschneckenberg, Jigodin, Nagyrév, Somogyvár, Sanislău und Mureş (Ciugudean 1998). Eine weitere Vertikalstratigraphie, die die verglichen mit Coţofeni jüngere Stellung der Gruppe untermauert, stammt aus Deva – “Magna Curia”, wo die Şoimuş-Schicht zudem von Wietenberg überlagert wird. Die Autorin folgt chronologisch Ciugudean, und auch sie sieht eine ältere Phase innerhalb der Şoimuş-Gruppe, da das Material aus Deva der Livezile-Gruppe nahe steht (Rişcuta 1998). Einig sind sich alle Autoren in ihrer Einordnung der Gruppe in die FBZ II. Lediglich Cr. Popa, der ansonsten aber ebenfalls Ciugudean folgt, lässt die Gruppe bis in die frühe dritte Stufe der FBZ laufen (Popa 1998, 85).


© 2007-2009 Matthias Thomas
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