Die Košt´any-Kultur

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Letzte Änderung: August 2007

Die frühbronzezeitliche Košt´any-Kultur wurde benannt nach dem Gräberfeld von Valalíky-Košt´any, okr. Košice-okolie, Ostslowakei, und erst in den 1960er Jahren von J. Pástor als Gruppe/Kultur definiert (Pástor 1962, 1965 und 1969), der auch für die Veröffentlichung praktisch aller Funde verantwortlich zeichnet (siehe auch Pástor 1978). Trotz zahlreicher Grabfunde wurde bis heute keine einzige Siedlung ergraben (Furmánek/Veliačik/Vladár 1999, 29ff.).

Verbreitung

Sicher nachgewiesen ist die Košt´any-Kultur bislang in erster Linie im Košice-Becken, wo alle fünf großen Gräberfelder auf engstem Raum beisammen liegen. Durch zum Teil nicht klar zuweisbare Einzelgräber und Einzelfunde scheint eine Verbreitung im Poprad-Becken, in der Ostslowakischen Tiefebene und im ungarischen Teil des Hornadtals (ältere Gräber von Hernádkak) aber gesichert zu sein. Manche Forscher rechnen die Gräber von Nagydobos (Szabolcs-Szatmár-Bereg Megye) zur Košt´any-Kultur, was das Verbreitungsgebiet weit nach Südosten ausdehnen würde. Nicht mehr zugehörig sind die gebirgigen Regionen der östlichsten Slowakei, deren Hügelgräber zwar zunächst noch zur Košt´any-Kultur gezählt, aber schon kurz darauf als eigene Kulturgruppe definiert wurden (dazu Furmánek/Veliačik/Vladár 1999, 29f.).

Totenritual

Die Košt´any-Kultur wurde ausschließlich über Gräber definiert. Derer gibt es jedoch eine ganze Reihe und das Verhältnis von erforschten und publizierten Grabfunden ist als sehr gut zu bezeichnen, was jedoch nicht für die Qualität der Publikationen gilt, deren Fundabbildungen keine detaillierten Untersuchungen erlauben (v.a. Pástor 1969 und 1978). Die Gräber (siehe Grabkatalog) verteilen sich mit wenigen Ausnahmen auf fünf mehr oder weniger große Gräberfelder im Košice-Becken (Čaňa, Košice, Nižná Myšl´a, Valalíky-Košt´any, Valalíky-Všechsvätych). Nicht oder nur zum Teil publiziert sind davon nur die Gräber von Nižná Myšl´a, wo die Grabungen aber noch andauern (stellvertretend für alle Vorberichte: Olexa 2003).

Das Totenritual ist beherrscht von einzelnen Hockerbestattungen in rechteckigen Erdgräbern, die in Gruppen unregelmäßiger Reihen auf dem Gräberfeld angeordnet sind. Einige wenige Doppelbestattungen sind aber ebenso bekannt (Liste bei Novotná/Novotný 1984, 290) wie einige Beispiele von Steinsetzungen (ebd.). Letztere erscheinen nur im Popradbecken, wo sie eine lokale Besonderheit nicht nur der Košt´any-, sondern auch der folgenden Füzesabony-Kultur (entspricht der slowakischen Otomani-Kultur) darstellen (Točik/Vlček 1991, 68). Neben Körpergräbern gibt es auch eine kleine Zahl symbolischer Gräber (Bátora 1999, 67ff.). Stratigraphische Überlagerungen sind sehr selten, aber vorhanden. Die Gräber respektieren sich weitestgehend. Einen einzigartigen Befund liefert das Gräberfeld von Košice, wo nach den Košt´any-Gräbern und einem mehrere Jahrhunderte dauernden Belegungshiatus erst in der dritten Stufe der Füzesabony-Kultur wieder neue Gräber angelegt werden.

Brandbestattungen gibt es keine, was den Hauptunterschied zu den südlich angrenzenden Kulturen Nyírség (incl. Sanislău) und Hatvan darstellt. Auch unterscheiden sich die Kulturen in ihrer Grabausstattung. Während die Gräber der letztgenannten Kulturen alle vornehmlich Gefäße enthalten, beherbergen die Košt´any-Gräber in erster Linie Geräte, Waffen und Tracht und nur sehr wenig Keramik. So enthalten in Čaňa nur 28 von 162 Gräbern Gefäße. Ihr Anteil nimmt im jüngeren Südteil des Gräberfeldes aber zu (Pástor 1978, 133). Auffallend und auch vom Totenritual der folgenden Füzesabony-Kultur abweichend ist der hohe Anteil von Stein- und Knochenartefakten (Eberhauer, Pfeilspitzen, Steinäxte, Knochennadeln etc). Wichtigste Metallformen sind Dolche, Weidenblattschmuck und Lockenringe, bemerkenswert das Vorhandensein von Fayenceperlen. Die ab und zu vorkommenden Pferdeköpfe werden als Fleischbeigabe gedeutet (Novotná/Novotný 1984, 291). Die Ausstattung scheint in einem Zusammenhang mit der Grubentiefe zu stehen (Pástor 1978, 132) und zeugt von einer ausgeprägten sozialen Differenzierung zugunsten der Männer, in deren Gräbern einige Beigabentypen exklusiv erscheinen, während es keine typischen Frauenbeigaben geben soll (Novotná/Novotný 1984, 291; 296).

Inwiefern die Hockerlage den Geschlechtern entspricht, ist umstritten. J. Pástor, der praktisch alle Grabfunde publizierte (Pástor 1962; 1965; 1969; 1978), bezweifelt dies zwar, M. Novotná und B. Novotný sprechen sich jedoch dafür aus und begründen dies mit den stets rechtsgehockten Pfeilspitzenträgern (>Männer) und den stets linksgehockten Erwachsenen (>Frauen) in Doppelbestattungen mit Kindern (Novotná/Novotný 1984, 290). Dies würde dem System der Füzesabony-Kultur entsprechen, was durch die ebenfalls mit den Geschlechtern korrespondierende Graborientierung noch unterstrichen wird. In beiden Kulturen sind das W-O/O-W- (Blick nach Süden) und das N-S/S-N- (Blick nach Osten) Orientierungssystem gleichzeitig vorhanden, mitunter sogar auf einem Gräberfeld (Čaňa; Hernádkak). Anthropologische Untersuchungen gibt es aber keine. Auch sollte man berücksichtigen, dass sehr viele Gräber zum Zeitpunkt der Aufdeckung bereits (nichtrezent) gestört waren (z.B. 141 von 162 Gräbern in Čaňa), was durchaus als Charakteristikum für Gräber dieses Kulturkreises und dieser Zeitstellung gelten kann (vgl. z.B. Nitra oder Aunjetitz) und sich in solch ausgeprägter Form in der folgenden Füzesabony-Kultur nicht verfolgen lässt.

Es gibt zwar keinen unmittelbaren kulturellen Vorläufer der Košt´any-Kultur, das Totenritual findet aber gute Vergleiche in den benachbarten und ebenfalls epischnurkeramischen Kulturen Chłopice-Veselé, Mierzanowice und Nitra. Ihre Grab- und Bestattungssitte werden von der folgenden Füzesabony-Kultur fast vollständig übernommen und selbst kleine Details (z.B. Armhaltung) sind teilweise völlig identisch.

Siedlungswesen

Da bislang keine Siedlung entdeckt werden konnte, werden die Träger der Kultur als nomadisierende Jäger und Viehzüchter angesprochen (Novotná/Novotný 1984). Folglich lässt sich auch über das Wirtschaftswesen keine Aussage treffen. Es ist reine Spekulation, wegen der fehlenden Siedlungen die eigene Gewinnung und Produktion von Rohstoffen und Werkzeugen zu verneinen (ebd., 296), zumal wichtige Rohstoffe wie Erz oder Obsidian lokal oder in direkter Umgebung vorhanden sind. Wegen des Fundguts sind Fernbeziehungen, vor allem nach Norden, Westen und Osten, zwar anzunehmen, einige klassische Importkandidaten (Fayence, Dentalien) konnte E. Schalk aber als lokale Produkte/Rohstoffe entlarven (Schalk 1992).

Fundgut

Das Fundgut der Kultur setzt sich vollständig aus Grabbeigaben und einigen Einzelfunden zusammen, welche sich in Tracht, Waffen, Geräte, Tierknochen (Fleisch) und Keramik trennen lassen (neben den Gräberfeldpublikationen siehe v.a. Novotná/Novotný 1984). Letztere ist, verglichen mit der folgenden Füzesabony-Kultur und den südlich angrenzenden Kulturen, erstaunlich selten vorhanden und weist ein Formenspektrum (Schüsseln, Krüge und viele Bechervariationen) auf, das sich zwar variantenreicher präsentiert als das der Chłopice-Veselé- oder der Nitra-Kultur (Furmánek/Veliačik/Vladár 1999, 32), jedoch mit dem der späteren großen Bronzezeitkulturen nicht mithalten kann, was aber auch mit den fehlenden Siedlungsgefäßtypen erklärt werden kann. Viele Typen werden mit der Aunjetitz- und Mierzanowice-Kultur in Verbindung gebracht (Machnik 1972; Novotná/Novotný 1984; Schalk 1992), darunter auch die vierfüßigen Schüsseln, welche wohl das Vorbild für die buckelverzierten Prunkschüsseln der Füzesabony-Kultur darstellen. Vergleiche finden sich auch in der Chłopice-Veselé-Kultur. Die Keramik ist fast immer unverziert und bei vielen verzierten Stücken handelt es sich bereits um Vertreter der jüngsten Stufe, die bereits mit der beginnenden Otomani-Füzesabony-Kultur verwoben ist, zu erkennen am Einfluss der nordwestrumänischen Sanislău-Gruppe auf das keramische Formengut, wie der typischen Einstichverzierung und den meist scharf von der Wandung abgesetzten, sehr schmalen Standflächen (Bátora 1998).

Das Trachtinventar besteht aus Perlen (Knochen, Muscheln/Schnecken, Ton, Fayence), Eberhauern, Spiralröllchen, Lockenringen und Weidenblattschmuck. Besonders Fayenceperlen kommen dabei in mitunter riesigen Mengen im Grab vor (z.B. ca. 2000 in Všechsvätych, Gr. 49 (Pástor 1978)). Metallschmuck ist, verglichen mit den späteren Kulturen, verhältnismäßig selten (z.T. auch noch aus Kupfer) und ganz besonders selten sind die chronologisch bedeutsamen Nadeln, die oft noch aus Knochen hergestellt wurden (und welche daher ebenso als Gerät zählen können). Keiner dieser Gegenstände ist nur für die Košt´any-Kultur typisch, genau wie für die Gefäße finden sich die besten (und frühesten!) Vergleiche aber in den westlich und transkarpatisch angrenzenden Kulturen. Es gibt keinen Trachtgegenstand, den man als Einfluss der Otomani-Füzesabony-Kultur deuten könnte. Vielmehr sind alle Typen bereits vorher vorhanden und die meisten verschwinden sodann im Laufe der ersten Füzesabony-Stufe (Thomas i.V.). Und genau dies gilt auch für die Waffen und Geräte, bei denen Exemplare aus Stein (Äxte, Pfeilspitzen) und Geweih (Äxte) noch sehr häufig sind. Die einzigen Metallgeräte und -waffen stellen die Beile und Dolche dar, wobei es sich bei ersteren wohl um Aunjetitzer Typen handelt (Bátora 1998, 21). Die quantitativ stärkste Gruppe sind aber die (steinernen, vor allem Obsidian) Pfeilspitzen, bei denen es sich meist um den üblichen Frühbronzezeittyp mit konkaver Basis handelt. Unterstrichen wird das Vorhandensein von Pfeil und Bogen durch die Mitgabe von steinernen Armschutzplatten (z.B. Čaňa, Gr. 96, 128, 156).

Chronologie und Beziehungen

Dass aus der Kultur trotz der wenigen Fundorte so viele Gräber bekannt sind, ist für die chronologische Gliederung ein Glücksfall. Die dreistufige Chronologie wurde bereits in den 1960er Jahren von J. Pástor erstellt und gilt nach einer Modifikation durch A. Točik und J. Vladár (Točik/Vladár 1971), die die Ostslowakischen Hügelgräber aus der Chronologie entfernten und diese als eigene Kulturgruppe definierten, auch in ihrer Nomenklatur (Proto-Košt´any – klassisches Košt´any – Košt´any-Otomani) bis heute. Der Weidenblattschmuck ist Leittyp der älteren Stufe, während beispielsweise die Lockenringe nur in der jüngsten Stufe auftauchen (Novotná/Novotný 1984, 291), wo auch die Gefäßbeigabe deutlich zunimmt. J. Bátora belegte später jede Stufe mit den verschiedenen Gräberfeldphasen und auch Gefäßtypen (Bátora 1981 und 1983), wobei diese Gliederung jedoch fiktiv sei, wie M. Novotná und B. Novotný betonen (Novotná/Novotný 1996, 91). Dennoch hat sich diese Abfolge etabliert und ihr folgt auch E. Schalk, die alle vier großen Gräberfelder in ihrer Hernádkak-Arbeit bespricht (Schalk 1992). Die Grabungen in Nižná Myšl´a festigten die Chronologie und sind besonders für den Košt´any-Otomani-Horizont von Bedeutung (Gašaj 2002). Einflüsse der rumänischen Otomani-Kultur sind jedoch schon im jüngeren Teil der zweiten Stufe (klassisches Košt´any) zu greifen (Furmánek/Veliačik/Vladár 1999, 32).

Auch wenn es nicht möglich ist, einen ausgeprägten lokalen kulturellen Vorläufer zu benennen, ist die Košt´any-Kultur der jüngste Vertreter des epischnurkeramischen Kulturkomplexes, wodurch ihre Herkunft im weitesten Sinne in den transkarpatischen Gebieten nördlich und östlich der Slowakei zu suchen ist. Im Westen und Norden hat sie zwar aufgrund der topographischen Situation keine unmittelbaren Nachbarn, mit der polnischen Mierzanowice- und der südwestslowakischen Nitra-Kultur ist sie aber nicht nur genetisch verbunden (zu den Košt´any-Mierzanowice-Ähnlichkeiten bes. Machnik 1972). Alle drei stehen mit der Chłopice-Veselé-Kultur in Verbindung, die im Osten sogar bis ins Hornadtal verbreitet sein soll (Furmánek/Veliačik/Vladár 1999, 25ff.), und alle zeigen ein sehr ähnliches Fundgut, wobei der Weidenblattschmuck als gemeinsamer Nenner besonders zu erwähnen ist. Schnurverzierte Gefäße sind in Košt´any zwar selten, aber vorhanden, z.B. in Všechsvätych, Gr. 47, oder Čaňa, Gr. 3, 7 und 54 (Pástor 1978). Von der Chłopice-Veselé-Kultur ist die Košt´any-Kultur wohl auch abzuleiten (Novotná/Novotný 1984, 295) und über sie sollen sich sogar Einflüsse der Glockenbecherkultur bis in die Ostslowakei verbreitet haben, die an den Armschutzplatten, den Pfeilspitzen und der „Begleitkeramik“ zu erkennen sein sollen (ebd.; Furmánek/Veliačik/Vladár 1999, 25ff.). Östlich der Košt´any-Kultur liegt das Verbreitungsgebiet der Gruppe der Ostslowakischen Hügelgräber, die ursprünglich als ältester Teil der Košt´any-Kultur angesehen wurden. Sie wurden später als eigene Gruppe definiert, sind aber wegen ihrer wenigen Beigaben nur sehr schwer genau zu datieren und sind wohl älter als die Košt´any-Kultur (Furmánek/Veliačik/Vladár 1999, 23f.; 29ff.).

Die südlichen und direkten Nachbarn der Košt´any-Kultur sind die Nyírség-Kultur (sowie damit verbunden deren jüngere Stufe („Sanislău-Gruppe“), das heißt die beginnende rumänische und ostungarische Otomani-Kultur) und die Hatvan-Kultur, die einem gänzlich anderen Kulturkreis angehören, was sich nicht nur in deren Fundgut, das viel stärker von keramischen Produkten bestimmt wird als das der Košt´any-Kultur, sondern vor allem im Totenritual zeigt, wo sich die kleinen Brandgräbergruppen der Nyírség- und Hatvan-Kultur grundlegend von den großen Körpergräberfeldern der Košt´any-Kultur unterscheiden. Aus diesem Grund ist das Totenritual der folgenden Füzesabony-Kultur auch nur aus der Košt´any-Kultur abzuleiten.

Das Ende der Kultur ist nämlich geprägt durch einen, wie der Name der dritten Stufe („Košt´any-Otomani“) bereits andeutet, fließenden Übergang zur Otomani-Füzesabony-Kultur. Man geht heute nicht nur in der slowakischen Forschung davon aus, dass die Košt´any-Kultur einen wichtigen Anteil an der Genese derselben, genauer gesagt der Füzesabony-Kultur hatte, nicht zuletzt deswegen, weil das Totenritual der beiden fast komplett identisch zu sein scheint (z.B. Bóna 1992, 26). Der Košt´any-Otomani-Horizont entsteht durch einen kulturellen Impuls der frühesten Otomani-Füzesabony-Kultur Nordwestrumäniens (Sanislău-Gruppe, zeitlich auf dem Niveau der rum. Stufe Otomani II), Ostungarns und (vermutlich) der Ostslowakischen Tiefebene, der sich im keramischen Fundgut niederschlägt und auf dessen Basis sich sodann die slowakische Otomani-Kultur (= Füzesabony) entwickelt (Bátora 1998; Furmánek/Veliačik/Vladár 1999, 52; Furmánek/Vladár 2001; Novotná/Novotný 1996, 91ff.). Die erste Füzesabony-Stufe (Thomas i.V.) entspricht dabei zumindest zum Teil dem Košt´any-Otomani-Horizont. Neuerdings wird auch ein Einfluss der Hatvan-Kultur immer stärker in Erwägung gezogen, der jedoch nicht klar zu greifen ist (z.B. Horvathová 2003).

Die Gräber mit Elementen der beginnenden Otomani-Füzesabony-Kultur lassen sich horizontalstratigraphisch auf allen Fundplätzen von den reinen Košt´any-Gräbern trennen und liegen immer am Rand des jeweiligen Gräberfeldes (Thomas i.V.). Besonders die Gräberfelder von Čaňa und Nižná Myšl´a zeigen aber eine lange und kontinuierliche Belegung, die, wie Grab- und Bestattungssitte überhaupt, einen radikalen kulturellen Bruch ausschließt. Änderungen sind in erster Linie in der Gefäßornamentik zu verfolgen, die, wie die Gefäßmitgabe generell, stark zunimmt und in der plötzlich kurvolineare Motive auftauchen. Von einem fließenden Übergang zeugen auch die vielen Košt´any-Typen (s. v.a. die Knochengeräte und Trachtelemente), die sich in der ersten Füzesabony-Stufe halten (z.B. Hernádkak). Mit der frühen Füzesabony-Kultur verbreitet sich sodann die Körpergrabsitte und in diesen Horizont gehören auch die zum Teil der Košt´any-Kultur zugerechneten Gräber von Nagydobos (Bóna 1975, Taf. 200). Aufgrund der Gefäßverzierung kann es sich dabei trotz des Weidenblattschmucks um keine reinen Košt´any-Gräber handeln. Zu betonen sind aber nochmals die Kontakte der Košt´any-Kultur mit der Sanislău-Gruppe, die durchaus noch vor Beginn der Otomani-Füzesabony-Kultur beidseitig Spuren hinterlassen haben, wovon einige Sanislău-Gefäße aus Ciumeşti (Ordentlich/Kacsó 1970) ebenso zeugen wie der Lockenring und die Pfeilspitzen von Berea (Németi 1969).

Die Košt´any-Kultur datiert nach slowakischer Chronologie, die das süddeutsche Reineckesystem verwendet, in Bz. A1 und in Form der Košt´any-Otomani-Stufe bis in die beginnende Stufe Bz. A2 (Bátora 1998; Furmánek/Veliačik/Vladár 1999; Novotná/Novotný 1996), nach ungarischer Chronologie in die FBZ III (Dani 2001). Trotz fehlender Radiokarbondaten (zur absoluten Chronologie der slowakischen Bronzezeit v.a. Barta 2001) ist sie damit etwa zwischen 2200 und 1900 v. Chr. einzuordnen.

Literatur

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