Die Lažňany-Hunyadihalom-Kultur

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Letzte inhaltliche Änderung: Mai 2007

Der Begriff Lažňany-Hunyadihalom setzt sich zusammen aus dem ungarischen Begriff der Hunyadihalom-Kultur, benannt nach der Siedlung von Hódmezővásárhely – “Hunyadihalom” (Csongrád Megye), welche von Gy. Török und J. Banner erforscht wurde, und dem slowakischen Begriff der Lažňany-Kultur, benannt nach dem Gräberfeld von Malé Zalužice – “Lažňany” (okr. Michalovce). Die große Ähnlichkeit der Funde erlaubt die Zusammenfassung zu dem obigen Begriff, auch wenn dieser insbesondere in der ungarischen Literatur nicht gebräuchlich ist. In der serbischen Literatur findet sich zudem der Begriff (Hunyadi-)Vajska-Kultur, nach dem Gräberfeld von Vajska in der Vojvodina. Die Kultur datiert ans Ende der ungarischen Mittelkupferzeit (Serbien, Slowakei: Frühkupferzeit; Rumänien: Spätäneolithikum), und alle im Folgenden verwendeten chronologischen Angaben entsprechen dem ungarischen Chronologiesystem.

Verbreitung

Die Kultur ist wie die vorhergehende Bodrogkeresztúr-Kultur im gesamten Theißgebiet verbreitet (Bognár-Kutzián 1969, 53 Abb. 12), das heißt von der Vojvodina im Süden bis in die Ostslowakei (Šiška 1972, 151 Abb. 40) und die Karpatoukraine im Norden. Im Osten dünnt sie bereits im Banat und der Crişana aus, erreicht mit weit gestreuten Fundorten aber Siebenbürgen. Im Westen ist das Donau-Theiß-Zwischenstromgebiet praktisch unbesiedelt, und die Höhenlagen Nordungarns und der Slowakei erreicht die Kultur genausowenig wie die Bodrogkeresztúr-Kultur. Siedlungsschwerpunkte sind das Gebiet um die Marosmündung und die Theiß zwischen Tokaj und Tiszafüred. Generell nimmt die Fundortdichte gegenüber der Bodrogkeresztúr-Kultur deutlich ab (Horváth/Virág 2003, 126 f.).

Totenritual

Ganz im Gegensatz zu den vorhergehenden kupferzeitlichen Kulturen der Tiefebene ist in der Lažňany-Hunyadihalom-Kultur das Totenritual nur wenig bekannt, und die Zahl der Siedlungen übertrifft die der Grabfunde bei weitem. Insgesamt sind überhaupt nur sechs Grabfundorte bekannt, nämlich im Košice-Becken die Gräberfelder von Barca und Šebastovce (Šiška 1972; Nevizánsky 1984, 287 ff.), in der ostslowakischen Tiefebene und der Ukraine das Gräberfeld von Malé Zalužice – “Lažňany” und die Gräber von Velikije Lazy (ebd.), in Ungarn die drei Kindergräber von Tiszalúc – “Sarkad” (Patay 2004) und in der Vojvodina die Gräber von Vajska (Brukner 1970). Die Zugehörigkeit der letzteren zur Lažňany-Hunyadihalom-Kultur wurde zwar jüngst von L.A. Horváth angezweifelt (Horváth 2004), seine angeführten Argumente reichen für eine Zuordnung in die ältere, Bodrogkeresztúr-zeitliche Phase der Sălcuţa-IV-Kultur jedoch nicht aus.

Die sechs Fundorte lassen sich in zwei birituelle Gräberfelder (Velikije Lazy und Malé Zalužice – “Lažňany”), zwei Brandgräberfelder (Barca und Šebastovce) und zwei reine Körpergräbergruppen gliedern, was der räumlichen Aufteilung ungefähr entspricht. Bei den drei Gräbern aus Tiszalúc handelt es sich jedoch um Siedlungsbestattungen, was grundsätzlich eine eigene Bestattungsart darstellt. Mit einer (birituellen) Ausnahme handelt es sich bei allen Gräbern um Einzelbestattungen. Die Brandgräber (ca 1/3 der Gesamtmenge) lassen sich in Urnen- und Schüttungsgräber unterteilen. Bei den Körpergräbern scheint die aus den vorherigen Kulturen bekannte, geschlechtsspezifische Hockerlage mit Frauen auf der linken und Männern auf der rechten Seite in Lažňany-Hunyadihalom übernommen worden zu sein, und sie wurde in Vajska durch anthropologische Untersuchungen bestätigt. Mit geringen Abweichungen wurden die Toten mit dem Kopf nach Osten niedergelegt. Ebenfalls ein aus Tiszapolgár/Bodrogkeresztúr bekanntes Phänomen ist der große Anteil von rechten Hockern und das Fehlen von Kinderbestattungen auf den Gräberfeldern. Da es sich bei den drei Siedlungsbestattungen von Tiszalúc um Kinder handelt, könnte ein gewisser Zusammenhang zwischen Sterbealter und Niederlegungsort bestehen, der auch für die älteren Kulturen nicht ausgeschlossen ist (Patay 2004, 174). Die Gräberfelder wurden in Reihen angelegt.

Die Menge der in den Gräbern gefundenen Artefakte ist merklich niedriger als noch in der Die Bodrogkeresztúr-Kultur-Kultur. Besonders in den Brandgräbern fand sich abgesehen von kleinen Steingeräten und seltenem Bernsteinschmuck fast nur Keramik. Die durchschnittliche Zahl mitgegebener Gefäße sinkt in allen Gräbern deutlich, auch wenn nach wie vor in fast jedem Grab Keramik vorkommt, und überhaupt nur zwei komplett beigabenlose Gräber bekannt sind. Ebenso zurück geht die Zahl der mitgegebenen Waffen (v.a. Äxte) und Geräte (v.a. Messer), und auch die für Tiszapolgár/Bodrogkeresztúr so typische Mitgabe von Tierknochen verringert sich merklich. Ein vor allem qualitiver Rückgang ist in der Ausstattung mit Trachtbestandteilen zu vermelden. Zwar bleiben die Kupferarmringe erhalten, die so typischen goldenen Anhänger verschwinden mit Ausnahme einiger Exemplare aus Vajska aber vollständig. Neu ist hingegen ein silberner Anhänger aus Tiszalúc (Patay/Szathmári 2001).

Trotz der schlechten Quellenlage und der quantitativ und qualitativ ärmeren Grabausstattung ist eine soziale Differenzierung zwischen den Toten tendenziell immer noch zu verfolgen, und auch in der Lažňany-Hunyadihalom-Kultur sind es vor allem Männer, die mit “reicher” Ausstattung an besonderen Stellen des Bestattungsplatzes beerdigt werden (Nevizánsky 1984, 306).

Bei einer Gesamtzahl von etwa 100 Gräbern und angesichts der Tatsache, dass davon etwa 90 aus der nördlichen Peripherie des Verbreitungsgebietes stammen und zudem nur sehr schlecht erhalten sind (Nevizánsky 1984, 288), ist es eigentlich unmöglich, feste Regeln des Totenrituals zu erkennen und zu beschreiben. Mit der Feststellung des drastischen Rückganges der Gräberfelder besonders im gut erforschten Alföld ist somit die entscheidende kulturhistorische Aussage über das Totenritual der Kultur bereits getroffen. Es sei weiterhin betont, dass sich auf keinem einzigen der sechs Fundorte Gräber der Bodrogkeresztúr-Kultur befanden, so dass in der Gräberfeldbelegung keine Kontinuität gegeben ist, was durch den sprunghaften Anstieg der Brandbestattungen in der Bestattungssitte noch unterstrichen wird. Die zunehmende Beigabenarmut ist zwar kein Zeichen eines kulturellen Wechsels, fügt sich jedoch gut in das Bild eines sich ansonsten klar abzeichenden Wandels ein. Hinzu kommen das Verschwinden von bis ins Neolithikum zurückreichenden Traditionen in der Beigabensitte, wie etwa die Mitgabe von Tierknochen oder Amuletten (Tierzähne, Kiesel, Schweinekiefer).

Obwohl die Funddichte der in der Spätkupferzeit folgenden Boleráz-Gruppe und auch der Protoboleráz-Phase im Alföld in den letzten Jahrzehnten deutlich zunahm (Kalicz 2004, 183), lässt sich über deren Totenritual bis heute keine klare Aussage treffen, zumal Pilismarót im gesamten Verbreitungsgebiet nach wie vor deren einziges Gräberfeld darstellt (ebd., 185).

Siedlungswesen

Trotz der, verglichen mit den Gräberfeldern, höheren Anzahl ergrabener Siedlungen (siehe Liste bei Patay 2004, 174 Anm. 3) ist das Siedlungswesen der Lažňany-Hunyadihalom-Kultur nur unwesentlich besser erforscht als das der vorangehenden Kulturen. Die wichtigste Siedlungsgrabung fand in Tiszalúc – “Sarkad” statt, die bislang jedoch nur in einigen Vorberichten vorgelegt wurde (Patay 2004, 169). Die Forschungen zeigten eine etwa einen Hektar große und mit Palisaden befestigte Siedlung mit zweiräumigen, mehrfach erneuerten Häusern, wobei etwa 20 Häuser einer Belegungsphase zuzuordnen sind (Patay 1995; Virág/Bondár 2003, 129).

Das Wirtschaftswesen der Kultur ist kaum bekannt, zumindest über die Tierzucht lässt sich aber auf Basis der zoologischen Untersuchungen von Tiszalúc eine Aussage treffen. Dort stammen über 90% der analysierten Knochen von Haustieren, welche wiederum zu 88% von Rindern stammen. Alle anderen Tiere erscheinen nur in kleiner Zahl, dennoch erwähnenswert ist das Vorkommen von Pferd und Löwe, sowie das recht häufige Vorkommen von Muscheln (Patay 1995).

Dieses Siedlungswesen, sofern es sich überhaupt für die ganze Kultur verallgemeinern lässt, zeigt deutlich eine Veränderung gegenüber den kleinen offenen Siedlungen der Bodrogkeresztúr-Kultur, die als temporäre Niederlassungen von Viehzüchtergemeinschaften gedeutet werden. Auch werden in den seltensten Fällen bestehende Bodrogkeresztúr-Siedlungen weiterbelegt (Horváth 2004, 73).

Fundgut

Die Keramik wurde noch nicht auf einem aktuellen Stand zusammenfassend typologisiert, so dass Šiškas Gliederung der Lažňany-Grabkeramik in zehn Gattungen immer noch aktuell ist (Šiška 1972, 129 ff.). Sie führt einerseits die Töpfereitraditionen der Bodrogkeresztúr-Kultur fort, wofür der große Anteil unverzierter Gefäße ebenso spricht wie die Kontinuität einzelner Typen oder Merkmale wie der „Blumentöpfe“, der Zweihenkelgefäße, der vierkantigen Becher oder der Hohlfüße (Patay 2002 und 2004a). Andererseits beherbergt das keramische Formengut der Kultur eine ganze Reihe von Merkmalen, die sie von ihrem Vorgänger abhebt. Dazu gehören einhenklige Gefäße, Scheibenhenkel, „red slip“ und schwarze Bemalung, aber auch weitere typische Merkmale wie der sanft geschwollene Rand, vertikal durchbohrte Ösen und von innen herausgedrückte Buckel (Patay 2004, 171 ff.). Die Scheibenhenkel werden in der Forschung als das chronologische Hauptkriterium der Keramik angesehen (zusammenfassend: Horváth 2004).

Ein spürbarer Bruch gegenüber der älteren Mittelkupferzeit lässt sich in den plastischen Darstellungen verfolgen. Zwar erscheinen diese auch in der Lažňany-Hunyadihalom-Kultur in Form von Gefäßdeckelapplikationen, dargestellt sind nun jedoch nicht mehr Tiere, sondern Menschen. Alle Exemplare (vor allem aus Tiszalúc und Tiszafüred) sind fragmentiert und stammen aus Abfallgruben. Es handelt sich dabei um die ersten sicheren anthropomorphen Darstellungen seit dem Neolithikum, und sie werden aufgrund von Analogien in Westanatolien, auf den Kykladen und dem Balkan als Ausdruck südlicher Einflüsse interpretiert, die sich in einheimischer Art und Weise, das heißt als Deckelverzierung, äußern (Patay 1989, 42 f.). In die Lažňany-Hunyadihalom-Kultur gehört vermutlich auch das Gefäß mit der sanduhrförmigen menschlichen Darstellung aus Vadas (Rezi Kató 1998), die gute Vergleichsstücke auf Spättripoljegefäßen aufweist (ebd., 9 Abb. 3).

Die Schmucktracht der Kultur wird dominiert von kupfernen Armringen, ansonsten sind lediglich eine Bernsteinperle und die goldenen Anhänger vom Typ Traian-Vajska zu nennen (Nevizánsky 1984, 290). Einen Unikatfund stellt der silberne Anhänger aus Tiszalúc dar (Patay/Szathmári 2001). Die Metallfunde gehen generell gegenüber der Bodrogkeresztúr-Kultur quantitativ und qualitativ merklich zurück. Es existieren lediglich kleine Fundstücke, und vor allem die so typischen Gold-Funde verschwinden fast vollständig, und einzige Vertreter sind die Anhänger aus Vajska, was die Metallarmut der folgenden Spätkupferzeit vorwegnimmt (Makkay 1996, 42ff.; Horváth 2004, 64). Ebenfalls seltener werden kupferne Schwergeräte (Äxte), die als einziges erhaltenes Artefakt die Funktion einer Waffe gehabt haben könnten. An Geräten sind uns neben kleinen Kupfergeräten (vor allem Messer, aber auch Ahlen und Meißel) recht wenige Steingeräte überliefert. Sie sind in Gräbern selten (Šiška 1972, 143 ff.) und kommen in Siedlungen hauptsächlich in Abfallgruben vor (Patay 1995, 97). Bemerkenswert, wenn auch nur für die Lažňany-Gruppe nachgewiesen, ist das Zurücktreten des in der Früh- und frühen Mittelkupferzeit so häufig verwendeten wolhynischen Feuersteins zugunsten polnischer Feuersteine. Auch typologisch sind deutliche Unterschiede vorhanden. So fehlt es beispielsweise an den für Bodrogkeresztúr typischen dreieckigen Pfeilspitzen (Kaczanowska 1980, 55).

Chronologie und Beziehungen

Die chronologische Eigenständigkeit der Kultur wurde in den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, und zwar zunächst in der slowakischen Forschung erkannt. Zu verdanken ist diese Erkenntnis S. Šiška, der sich mehrfach mit der (im slowakischen Sinne) frühen Kupferzeit auseinander setzte und dabei die Kulturen Herpály, Tiszapolgár, Bodrogkeresztúr und Lažňany zu einem vierstufigen Polgár-Komplex zusammenschloss (Šiška 1972), an dem bis heute einige Forscher festhalten (siehe z.B. Tasić 1995). In Ungarn hingegen herrschte zu diesem Zeitpunkt noch die auf die erste zusammenfassende Darstellung der Hunyadihalomgruppe (Bognár-Kutzián 1969) zurückgehende Meinung vor, die Scheibenhenkel seien ein Merkmal der jüngeren Bodrogkeresztúr-Keramik, und somit galten die Funde vom Typ Hunyadihalom mit der Bodrogkeresztúr-Kultur lange Zeit als – mehr oder weniger – gleichzeitig. Die vertikale Abfolge der beiden Kulturen wurde erst durch drei neu ergrabene Vertikalstratigraphien in Tiszavalk – “Tetes”, Tiszafüred – “Majoros” und Tiszalúc – “Sarkad” akzeptiert. Im Falle der Stratigraphie von Tiszalúc wurde zudem das chronologisch ältere Verhältnis zur Boleráz-Gruppe geklärt, welche nämlich zeitweise ebenfalls als gleichzeitig mit Hunyadihalom angesehen wurde (Patay 2004, 173). Die rumänischen Forschungen unterstreichen dies (Roman 1995), und die Abfolge Bodrogkeresztúr > Lažňany-Hunyadihalom > Boleráz ist heute in der Forschung etabliert. Mittlerweile wurde sie sogar durch einen Übergangshorizont zwischen der Mittel- und Spätkupferzeit verfeinert, der sich sowohl von Lažňany-Hunyadihalom als auch von Boleráz abhebt, die sogenannte Protoboleráz-Phase (Kalicz 2001; Horváth 2001).

Leider existiert jedoch kein chronologisches System, das über diese prinzipielle Abfolge hinausgeht. Der feinchronologische Wert verschiedener keramischer Merkmale, vor allem der Scheibenhenkel, wird immer mehr angezweifelt (Horváth 2004), und eine mit Leittypen versehene und mit Stratigraphien untermauerte kulturinterne chronologische Abfolge fehlt genauso wie für die Bodrogkeresztúr-Kultur, auch wenn es verschiedene Hinweise auf eine solche gibt, so zum Beispiel im Gräberfeld von Šebastovce (Šiška 1972, 129.148 ff.).

Absolutchronologisch datiert die Kultur etwa zwischen 3600 und 3400 v. Chr., wobei sich dies nur indirekt aus Daten der Bodrogkeresztúr-Kultur und der Bolerázgruppe erschließen lässt (Kalicz 2002; ders. 2004, 195 f.). Die Daten aus Tiszalúc ergaben zwar einen Durchschnittswert von etwa 3800 v. Chr., allerdings können die Proben auch aus der Bodrogkeresztúr-Belegungsphase des Fundplatzes stammen (Patay 1995, 98).

Der fehlenden Feinchronologie zum Trotz fehlt es nicht an Bemühungen, die Kultur in ihren kulturhistorischen Kontext einzureihen. So werden regelmäßig großräumige überregionale Vergleiche gezogen, vor allem auf Basis der Scheibenhenkel und Gefäßen mit “red slip” (Raczky 1991), den Metallfunden (Horváth 2004) oder den anthropomorphen Darstellungen (Patay 1989). Auf diese Art und Weise konnten Beziehungen mit dem ägäisch-anatolischen Raum ebenso postuliert werden wie mit den pontischen Steppengebieten. Im Norden wird die Kultur mit der Wyciąże-Zlotniki-Gruppe verglichen (Kaczanowska 1986; Kalicz 2001, 404). Neuerdings mehren sich auch Thesen westlicher Einflüsse. So betont Patay die große Ähnlichkeit einiger Merkmale mit Funden aus Hissar im Kosovo (Patay 2004a), und die neu erscheinenden Einhenkelgefäße werden von der westlich benachbarten Balaton-Lasinja-Kultur abgeleitet (Patay 2004, 173 ff.). Auch wird der lange angenommene Zusammenhang zwischen der Furchenstichkeramik der Bodrogkeresztúr- und Lažňany-Hunyadihalomkultur und dem mitteleuropäischen Furchenstichhorizont (und damit auch Balaton-Lasinja II-III) heute abgelehnt (Horváth 1994 und 2004).

Die entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Fernbeziehungen wird der unmittelbar südlich angrenzenden Sălcuţa-IV-Kultur zugeschrieben. Sie wurde in der Forschung mit Bodrogkeresztúr, Lažňany-Hunyadihalom und Protoboleráz zu einem vierstufigen Scheibenhenkelhorizont zusammengefasst (Kalicz 2001, 405 f.; kritisch: Horváth 2004), wobei sie in ihrer jüngeren Phase mit Lažňany-Hunyadihalom gleichzeitig ist. Als wichtigster Fundort für die Abfolge und Beziehungen der betroffenen Kulturen gilt die Höhlenstratigraphie von Băile Herculane – “Peştera Hoţilor” (Roman 1971 und 1995). In der neueren rumänischen Forschung werden Bodrogkeresztúr, Sălcuţa und die Funde von Cheile Turzii, Herculane II-III und Pecica - “Şanţul Mare” (das heißt Hunyadihalom) zu einem dreiphasigen BSCHP-Komplex vereint (Luca/Roman/Diaconescu 2004).

Die Sălcuţa-Kultur wird nicht nur als Vermittler von Fernbeziehungen zwischen dem Karpatenbecken und der unteren Donau (hier vor allem der Cernavodă-I-Kultur) angesehen, sondern man leitet die ganze Hunyadihalom-Kultur unmittelbar von Sălcuţa ab (Brukner 1982; Horváth 2004, 71). Die Lažňany-Hunyadihalom-Kultur markiert dabei das Ende der bis ins Neolithikum zurückreichenden Kulturentwicklung der Bodrogkeresztúr-Kultur und stellt selbst den Beginn einer ununterbrochenen Entwicklung hin zur Badener Kultur dar. Zusammen mit Sălcuţa IV und Cernavodă I erreicht sie dabei schon eine große überregionale Einheitlichkeit, die dem Cernavodă-III-Boleráz-Horizont den Weg ebnen soll (Roman 1995, 19 f.; Horváth/Virág 2003, 127). Es ist zudem die vorerst letzte Periode, in der das östliche (Lažňany-Hunyadihalom) und westliche (Balaton-Lasinja II-III) Karpatenbecken eine getrennte, wenn auch parallele Entwicklung durchlaufen (Kalicz 2004, 182), deren Hauptkennzeichen eine deutliche Beeinflussung aus unterschiedlichen Richtungen ist. Im Westen bewirkt die Ausbreitung der Mitteleuropäischen Furchenstichkeramik das Ende der Balaton-Lasinja-I-Kultur, parallel dazu endet im Osten durch balkanische Einflüsse die Bodrogkeresztúr-Kultur (Horváth 1994, 101). Šiška, der zudem zahlreiche Kontakte der Lažňany-Kultur mit östlich und nördlich angrenzenden Regionen jenseits der Karpaten aufzeigte, sah das Ende der Bodrogkeresztúr-Kultur als Ergebnis eines kulturellen Niederganges an, der fremden Einheiten die Möglichkeit gab, ins Theißgebiet vorzudringen (Šiška 1972, 159). Patay sieht diesen Prozess mit einer Regionalisierung in verschiedene Gruppen verknüpft, betont aber gleichzeitig die lokalen Traditionen und damit die genetische Verbindung mit der Bodrogkeresztúr-Kultur (Patay 2004, 174).

Klar zu erkennen ist der Bruch zwischen der Die Bodrogkeresztúr-Kultur-Kultur und der Lažňany-Hunyadihalom-Kultur. Dafür sprechen die großen Änderungen in Totenritual und Siedlungswesen genau so wie die Änderungen im Fundgut. Inwiefern die Thesen großräumiger Verflechtungen alle zutreffen, lässt sich jedoch wohl erst klären, wenn die lokale feinchronologische Abfolge der Mittelkupferzeit besser erforscht ist.

Literatur

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weitere Literatur (im Text unberücksichtigt)

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