Die Lepenski-Vir-Kultur

english version

Letzte Änderung: September 2007

Die Lepenski-Vir-Kultur ist nach dem eponymen Fundort Lepenski Vir in Serbien, einer Stromschnelle im Bereich des Eisernen Tores, benannt. Er wurde entdeckt, als ab den 1960ern beschlossen wurde, die Donau durch einen ersten Damm oberhalb von Kladovo und einen zweiten oberhalb von Mihajlovac aufzustauen. Teams rumänischer und jugoslawischer Archäologen erforschten in den kommenden Jahrzehnten im Rahmen von Rettungsgrabungen die Siedlungen am Donauufer, die durch den steigenden Wasserspiegel bedroht waren (zur Forschungsgeschichte ausführlich Radovanović 1996, 3-8).

Verbreitung

Die Siedlungen, die zur Lepenski-Vir-Kultur gerechnet werden, liegen alle im Bereich des Eisernen Tores. Hier schneidet sich die Donau tief in den Kalkstein ein, sodass eine teils karstige Landschaft mit steil zum Wasser abfallenden Schluchten (Golubac-Schlucht, Gospodin Vir (’Frauen-Wirbel’), Kazan-Schlucht (’Kessel-Schlucht’), Sip-Schlucht) und schmalen Terrassen entsteht. Auf diesen Terrassen, an beiden Ufern der Donau, befinden sich die Siedlungen der Lepenski-Vir-Kultur. Auf rumänischer Seite sind die Fundorte von Ostrovul Mare, Ostrovul Corbului, Schela Cladovei, Ostrovul Banului, Răzvrata, Icoana, Veterani-Terrasse und Veterani-Höhle, Climente I und II, Băile Herculane, Cuina Turcului, Vodneac, Ilişova, Izlaz, Sviniţa, Vîrtop, Alibeg und Privod von Bedeutung; auf serbischer Seite liegen die eponyme Siedlung Lepenski Vir, Padina, Stubica, Vlasac, Hajdučka Vodenica, Velesnica und Kula.

Totenritual

Aus vielen Siedlungen der Lepenski-Vir-Kultur liegen Bestattungen, teils in großer Anzahl, vor (zum Folgenden Radovanović 1996, 160-224 und Srejović/Letica 1978). So sind etwa aus Vlasac 384 Bestattungen bekannt geworden, aus Lepenski Vir 146 und aus Padina immerhin 75. Icoana lieferte drei Gräber, Hajdučka Vodenica 30, Schela Cladovei 33, Ostrovul Corbului vier. Besonders Vlasac ist hier von Bedeutung, da die Gräber gut publiziert sind und Ziel archäologischer und anthropologischer Untersuchungen waren.

Am Eisernen Tor gibt es sowohl Körperbestattungen als auch Sekundärbestattungen und Brandbestattungen. Als Sekundärbestattungen werden Befunde angesprochen, in denen der Verstorbene eine Zeit lang der Luft ausgesetzt war, ehe er begraben wurde. Unklar ist, ob weitere Handlungen vorgenommen wurden. Teilweise scheint es, als seien bei solchen Bestattungen bisweilen Schädel oder Teile des postkranialen Skelettes entfernt worden.

Es liegen sowohl Strecker- als auch Hockerbestattungen vor. Selbst sitzende Haltungen sind belegt. Die Toten sind interessanterweise entweder parallel zur Donau oder rechtwinklig zum Lauf des Flusses orientiert. Eine Orientierung nach Himmelsrichtungen liegt nicht vor. Gewöhnlich wurde pro Person ein Grab angelegt, es kommen aber auch Doppel- und Mehrfachbestattungen vor.

Die Gräber wurden auf den Siedlungsterrassen angelegt. Bisweilen sind sie von Steinen umgeben, manchmal wurde jedoch nicht einmal extra eine Grube angelegt, sondern natürliche Vertiefungen im Boden genutzt. Manchmal wurden die Toten mit einem Steinpflaster zugedeckt.

Meist sind die Toten im Bereich der Siedlungen begraben. Teilweise liegen sie zwischen den Häusern, oft jedoch in den Gebäuden, unter den Fußböden, teils mit Bezug zum Herd oder zu einem “Altar”.

An Grabbeigaben kommen geschlagene Steinartefakte, Quarzartefakte, Knochengegenstände (Ahlen, Projektile), Geweihobjekte, Eberzahngegenstände, Schlagsteine, Steinäxte, Ketten aus Schneckenhäusern und verzierte Gegenstände aus verschiedenen Materialien vor. Außerdem gibt es Hinweise auf Streuungen mit Ocker und Grafit, und manche Tote sind flächig mit Cyprinidenzähnen (vielleicht an der Kleidung), Fischgräten, Tierknochen (besonders Unterkiefern von Hunden sowie Hörnern und Geweihen), Samen, Steinen und Menschenknochen (besonders Unterkiefern) bedeckt.

Siedlungswesen

Es sind bei weitem nicht alle Siedlungen der Lepenski-Vir-Kultur in ihrer Gänze erforscht, geschweige denn publiziert. Wenige Orte, etwa Lepenski Vir selbst, Vlasac, Padina und Ostrovul Corbului, sind etwas besser vorgelegt und für weiterführende Untersuchungen geeignet.

Soweit derzeit beurteilbar, liegen die Siedlungen der Lepenski-Vir-Kultur teils innerhalb der Schluchten und teils außerhalb. Manche befinden sich am rechten, manche am linken Donauufer, und Ostrovul Mare liegt gar auf einer Insel inmitten der Donau. Die Ausdehnung der Siedlungen ist sehr unterschiedlich. Lepenski Vir etwa nimmt zunächst etwa 2000 m², später 2400 m² ein, Padina ist in Sektor III über 1100 m² erforscht, Vlasac nimmt etwa 2000 m² ein, von denen 640 m² erforscht wurden, von Hajdučka Vodenica sind 630 m² bekannt (Radovanović 1996, 62-65). Die Siedlungen liegen auf kleinen steilen Terrassen über der Donau, eingegrenzt auf der einen Seite durch den Fluss und auf der anderen Seite durch die Hänge und das schwer zugängliche Hinterland. Offensichtlich war der Reichtum an natürlichen Resourcen ein starker Anreiz, sich auf solchen Plätzen niederzulassen. Nachdem sie räumlich begrenzt waren, konnte die Bevölkerung nur eine bestimmte Größe erreichen; wuchs sie zu stark an, waren Individuen wohl gezwungen, den Ort zu verlassen.

Die Bauweise von Häusern in der Lepenski-Vir-Kultur ist charakteristisch (zum Folgenden Radovanović 1996, 117-138). Neben eingetieften ovalen oder rundlichen Objekten, teils mit und teils ohne Herd, kommen trapezförmige Strukturen vor. Der rückwärtige Teil dieser Bauten ist eingetieft, um bei Hanglagen einen horizontalen Boden herzustellen. Ein Fundamentgräbchen wurde angelegt, das mit großen und kleinen Steinen ausgelegt wurde. Besonders große Steine finden sich in den Ecken; sie dienten zur Befestigung von Pfosten. So entstand ein hütten- oder zeltartiger Bau. Im vorderen Drittel des Hauses wurde mittig ein Herd angelegt, der von Steinplatten umgeben war. Bisweilen finden sich um die Herde herum Steinplatten, die in Form von ∀-Zeichen/Stützstrukturen? angeordnet waren. Ihre Funktion ist unbekannt. Innerhalb der Häuser fanden sich zudem noch ausgehöhlte, teils verzierte Steine, die als “Altäre” angesprochen werden, sowie Steinskulpturen (vgl. Abschnitt Fundgut).

Die Struktur von Schichten und Bauten innerhalb der Siedlungen ist höchst komplex. Exemplarisch sei hier die Struktur der Siedlung von Lepenski Vir beschrieben (für Padina vgl. Radovanović 1996, 67-76). Die Schicht Proto-Lepenski Vir konnte auf einer Länge von 90 m verfolgt werden. Hausgrundrisse sind nicht erhalten, wohl aber acht Herde und Artefakte, die in größerer Anzahl hinter den Herden gefunden wurden. Die Phase Lepenski Vir I kann in mindestens drei Subphasen untergliedert werden; die Unterteilung erfolgt an Hand von Hausgrundrissen, die einander überlagern. Häuser finden sich nun zunächst in zwei Zonen mit einem freien Platz dazwischen. Im Lauf der Zeit wird der freie Platz von Häusern eingenommen und in einer dritten Phase wieder freigemacht. Danach wurde Lepenski Vir offensichtlich eine Zeitlang nicht besiedelt: Eine dünne Schicht aus braunem sandigen Löss bedeckt die Stelle. Die Siedlung von Lepenski Vir II setzte sich aus ca. 44 Häusern zusammen, von denen allerdings die meisten durch die darüber liegende Schicht Lepenski Vir IIIa zerstört wurden. Ab Lepenski Vir IIIa treten nun Hütten auf, in denen Keramik, Stein-, Knochen- und Geweihartefakte der Starčevo-Kultur gefunden wurden (Lepenski Vir 1981, 56).

D. Borić (2002) rekonstruiert die Bauten von Lepenski Vir als mit der Rückseite in den Hang des Ufers eingetieft. An der Vorderseite, zum Fluss hin, standen Pfosten, die das Dach trugen (vgl. Borić 2002, 1035 Abb. 10).

Fundgut

Am bekanntesten sind wohl die aus Lepenski Vir zutage gekommenen figürlichen Darstellungen aus Sandstein. Sie finden sich ab der Schicht Lepenski Vir Ib, im Bereich hinter dem Herd innerhalb der Häuser. Es handelt sich um bunte Gerölle aus quarzhaltigem Sandstein (gelblich-weiß, fast weiß, rötlich), in die mittels einer Abschlag- und Meißeltechnik teils abstrakte Ornamente in Form verschlungener Kurvenlinien, Winkel, Punkte und Flechtbänder, teils Gesichter mit runden Augen und “Fischmündern” eingearbeitet wurden. Anikonische, verzierte Steine finden sich auch andernorts, etwa in Vlasac und Icoana. Sie sind teilweise mit roter Farbe verziert und kommen auch in Gräbern vor (Lepenski Vir 1981, 33-40). Ihre Bedeutung ist nach wie vor ungeklärt, auch wenn es Versuche gibt, in den Wellenlinien und den “fischgesichtigen” Darstellungen Verbindungen zur Donau und zur Lebensweise am Wasser zu knüpfen.

Den Skulpturen sind Objekte an die Seite zu stellen, die als Altäre bezeichnet werden. Hierbei handelt es sich um Steinobjekte, die mindestens eine Aushöhlung auf einer Seite besitzen. Auch sie sind teilweise verziert. “Altäre” und Skulpturen kommen in Lepenski Vir, Cuina Turcului, Hajdučka Vodenica, Vlasac und Padina vor (Radovanović 1996, 138-159), doch jene aus Lepenski Vir scheinen die höchste Qualität aufzuweisen.

An Silexgeräten liegen Endkratzer, Seitenkratzer, retuschierte Abschläge, Stichel, retuschierte Klingen, Bohrer und Ahlen, Rückenstücke, geometrische Mikrolithen, retuschierte Lamellen und bifaziale Geräte vor. Sie bestehen aus Quarz, Quarzit, Obsidian, verschiedenen Feuersteinen, Chalzedon, silikathaltigen Gesteinen, Radiolarit, vulkanischem Gestein, Sandstein, Opal etc. Die meisten dieser Rohmaterialien sind lokal verfügbar. Vulkanische Gesteine kamen aus dem westlichen Banat, Obsidian wohl aus der Gegend Tokai-Prešov (Radovanović 1996, 225-252).

Schlag- und Poliersteine, Mahlsteine, Mörser, Stößel, Gewichte, Gerölläxte und Steinbeile sowie Schleuderkugeln und Anhänger wurden aus lokalem Sandstein hergestellt (Radovanović 1996, 276-280).

Aus Knochen, Geweih und Tierzähnen (Eberhauern) wurden Meißel, Spatulae, Messer, Dolche, Spitzen, Glättgeräte, Hacken, Äxte, Schuhleistenkeile, Picken, Kratzer, Bohrer, Ahlen, Nadeln, Pfeilspitzen und andere Projektile (Harpunen) sowie Anhänger, Perlen und sogar Flöten hergestellt (Radovanović 1996, 252-276).

Den Großteil des Fundgutes der Lepenski Vir-Kultur stellen die Tierknochen. Analysen liegen für Material aus Climente II (Epipaläolithikum), Cuina Turcului I und II (Epipaläolithikum), Icoana (Mesolithikum) sowie aus Padina, Vlasac, Lepenski Vir und Hajdučka Vodenica vor. Aus den unteren Schichten der Siedlungen stammen mit Ausnahme des Haushundes ausschließlich Wildtiere. Nur in Padina A und B, Hajdučka Vodenica und Lepenski Vir III (Starčevo-Kultur) kommen Haustiere vor. Das Spektrum der Wildtierknochen ist sehr vielfältig und umfasst folgende Arten: Igel, Wolf, Rotfuchs, Braunbär, Wildkatze, Luchs, Baummarder, Wiesel, Eichhörnchen, Dachs, Otter, Wildschwein, Steinbock, Gämse, Auerochse, Elch, Rothirsch, Reh, Wildesel, Wildpferd, Biber, Hase, Graugans, Stockente, Krickente, Rostgans, Mittelsäger, Gänsesäger, Prachttaucher, Sterntaucher, Reiher, Kormoran, Weißkopfpelikan, Kaiseradler, Seeadler, Schwarzmilan, Auerhahn, Moorhuhn, Rebhuhn, Graugans, Rabe, Krähe, Höckerschwan, Mönchsgeier, Lämmergeier, Gänsegeier, Uhu, Waldkauz, Grünspecht, Eichelhäher, Elster, Tannenhäher, Dohle, Star, Fink, Donaustör, Sterlet, Lachs, Hecht, Döbel, Brasse, Karpfen, Wels, Barsch, Zander, Teichschildkröte sowie verschiedene Muschel- und Schneckenarten (Radovanović 1996, 44-59). Neben ihrer Funktion als Fleischlieferanten wurde Fell, Gefieder, Geweih, Knochen, Gehörn und Zähne sowie sicherlich auch Innereien, Sehnen etc. dieser Tiere genutzt.

Das Haustierspektrum umfasst Rind, Schaf/Ziege und Schwein (sowie Hund). Unglücklicherweise lassen sich die Haustierknochen aus Padina keiner Schicht zuordnen, sie können also jünger sein als mesolithisch. Gleiches gilt für Hajdučka Vodenica, wo Tierknochen in ihrer Gesamtheit, nicht nach Schichten getrennt, analysiert wurden.

Zuletzt sei noch die Keramik erwähnt. Sie kommt in mehreren Siedlungen vor (Alibeg, Padina, Stubica, Lepenski Vir, Vlasac, Cuina Turcului, Icoana, Hajdučka Vodenica, Schela Cladovei, Ostrovul Corbului, Kula und Ostrovul Mare). Unklare Fundumstände und durchmischte Befunde führten dazu, dass bisweilen die Keramik in Zusammenhang mit eindeutig mesolithischem Inventar und Befunden gestellt wurde. Noch immer geben Objekte wie Padina B-Sektor III und Lepenski Vir I, Häuser 35 und 56 Rätsel auf, wo Keramik, angeblich in situ, in mesolithischem Zusammenhang gefunden wurde (vgl. hierzu den Abschnitt Chronologie und Beziehungen). Bei der Keramik handelt es sich um teils monochrome, teils bemalte Keramik sowie um Gebrauchskeramik, die mit der Starčevo- bzw. der Criş-Kultur in Verbindung gebracht werden kann.

Chronologie und Beziehungen

Wie auch für andere Regionen Mittel- und Südosteuropas bildet der Übergang vom Mesolithikum zum Neolithikum im Gebiet des Eisernen Tores Anlass zu Spekulationen und teils hitzig vertretenen Meinungen, seit die ersten Spuren der Lepenski-Vir-Kultur zutage kamen. Streitpunkt ist die Frage, ob das Neolithikum einheimische Wurzeln aufweist, die ins Mesolithikum zurückreichen, oder ob Neueinwanderer die neolithische Lebensweise auf ihrem Weg von Südosten nach Nordwesten auch ins Gebiet des Eisernen Tores mitbrachten. Probleme bei der Beantwortung dieser Frage sind Altgrabungen, unpubliziertes Material, komplizierte Abfolgen von Siedlungen, Schichten, Häusern und Gräbern und nicht zuletzt eine terminologische Verwirrung (’Epipaläolithikum’, ‘Mesolithikum’, ‘Protoneolithikum’). Ein Problem ist sicherlich auch die unterschiedliche Herangehensweise an das Problem, vom Standpunkt der materiellen Kultur (der Archäologie), der Anthropologie, der Paläoökonomie etc.

In der Tat kennzeichnet (zumindest partielle) Sesshaftigkeit, die als ein Kriterium für eine neolithische Lebensweise herangeführt wird, die Siedlungen der Lepenski-Vir-Kultur. Allerdings ist der Wohncharakter der Häuser immer wieder in Frage gestellt worden; als Argumente gegen die Nutzung der Häuser als Wohnbauten dienten mangelnder Platz (die Konstruktion war zeltartig, die Wände geneigt, zusätzlich nahmen Herd und evtl. vorhandene “Altäre” etc. Raum ein), die Beisetzung von Verstorbenen ohne Anlage ausreichend tiefer Grabgruben, i. e. nahezu direkt auf den Hausböden, und im Verbund auf dem Boden liegende Tierskelette oder Skelettteile (Sailer 1997, 71-72; Lichardus-Itten/Lichardus 2003, 67-68).

Außer dem Hund existieren keine Haustiere, man stützte sich auf eine reiche Vielfalt verschiedener Säugetiere, Vögel, Fische und Mollusken. Auch Spuren für Ackerbau wurden nicht gefunden.

Die Keramik, die in verschiedenen Siedlungen zutage kam, ist, sofern zuordenbar, Keramik der Starčevo-(Criş-)Kultur. Besondere Bedeutung erhält in diesem Zusammenhang die Siedlung von Padina B (hierzu Jovanović 1987). Haus 18, das die für die Lepenski-Vir-Kultur typische trapezartige Form aufweist, enthielt ganze Gefäße in situ.

Das Inventar geschlagener Steingeräte weist neben nicht näher einordenbaren Formen auch Geräte auf, die im Allgemeinen mit dem Mesolithikum in Verbindung gebracht werden (geometrische Mikrolithen, Trapeze).

Eine neue Auswertung der Grabungsbefunde insbesondere von Lepenski Vir durch D. Borić (Borić 2002) ergibt eine neue Sichtweise auf die kulturelle Abfolge am Eisernen Tor. Demzufolge liegt frühneolithische Keramik bereits für die stets als mesolithisch angesprochenen Bauten 4 und 54 vor. AMS-Daten auch für die anderen Bauten sprechen in Lepenski Vir dafür, dass alle trapezoidalen Gebäude ins Frühneolithikum zu datieren sind. Einige Bestattungen dagegen und offene Feuerstellen unter den Fußböden der Bauten datieren dagegen ins Mesolithikum. Dies bedeutet, dass die von Srejović postulierte Phase Proto-Lepenski-Vir mesolithisch, alle anderen Phasen dagegen neolithisch zu datieren sind. In Vlasac dagegen liegen die trapezförmigen Bauten bereits seit dem Mesolithikum vor.

Für einige Siedlungen der Lepenski Vir-Kultur liegen 14C-Daten und AMS-Datierungen vor. So kann Padina A zwischen 9331 ± 58 – 8797 ± 83 BP bzw. nach AMS um 8445 ± 60 BP eingeordnet werden, während Padina B nach AMS zwischen 7755 ± 65 – 6790 ± 55 BP datiert wird; Icoana rangiert zwischen 8070 ± 130 – 7660 ± 110 BP und 7445 ± 80 BP (diese und weitere Daten bei Borić 2001, 103).

Auf 2σ genaue Daten (Labor: OxA, Proben aus Gräbern) liefern für Schela Cladovei Daten zwischen 7450-6645 BC und 7061-6439 BC; für Vlasac Daten zwischen 9949-8843 und 6647-6625; für Lepenski Vir 6404-5926 und 5772-5479 (Bonsall et al. 2000, 123). Zu beachten ist allerdings der Süßwasserreservoir-Effekt, der alle Datierungen von Menschen- und sogar Tierknochen betrifft.

Die 14C-Daten und AMS-Datierungen belegen, dass sich zumindest zeitweise die Lepenski-Vir-Kultur und die Starčevo-Kultur überlappen. Es ist davon auszugehen, dass Kontakte vorhanden waren. Wie sie sich auswirkten, bleibt unklar. Ackerbau ist auf den räumlich eng begrenzten Terrassen für die Lepenski-Vir-Kultur sicherlich undurchführbar gewesen, und es stellt sich auch die Frage nach der Notwendigkeit. Nach den neuen Untersuchungen der Siedlungen durch D. Borić (2002) ist ohnehin der Übergang von der mesolithischen Phase Proto-Lepenski-Vir hin zu den neolithischen Phasen Lepenski Vir I-III neu zu überdenken.

Literatur

C. Bonsall/G. Cook/R. Lennon/D. Harkness/M. Scott/L. Bartosiewicz/K. McSweeney, Stable Isotopes, Radiocarbon and the Mesolithic-Neolithic Transition in the Iron Gates. Documenta Praehistorica 27, 2000, 119-132.

D. Borić, Mesolithic and Early Neolithic Hunterers and Fishers in the Danube Gorges: An Analysis of Archaeozoological Data. In: R. Kertész/J. Makkay (eds.), From the Mesolithic to the Neolithic. Proceedings of the International Archaeological Conference held in the Damjanich Museum of Szolnok, September 22-27, 1996. Archaeolingua Main Series 11 (Budapest 2001) 101-124.

D. Borić, The Lepenski Vir conundrum: reinterpretation of the Mesolithic and Neolithic sequences in the Danube Gorges. Antiquity 76,294, 2002, 1026-1039.

G. Grupe/J. Peters, Deciphering Ancient Bones. The Research Potential of Bioarchaeological Collections. Documenta Archaeobiologiae (Rahden/Westf. 2003).

B. Jovanović, Die Architektur und Keramik der Siedlung Padina B am Eisernen Tor, Jugoslawien. Germania 65/1, 1987, 1-16.

Lepenski Vir. Menschenbilder einer frühen europäischen Kultur. Ausstellungskat. Prähist. Staatssammlung (Mainz-Beograd 1981).

M. Lichardus-Itten/J. Lichardus, Strukturelle Grundlagen zum Verständnis der Neolithisierungsprozesse in Südost- und Mitteleuropa. In: E. Jerem/P. Raczky (Hrsg.), Morgenrot der Kulturen. Frühe Etappen der Menschheitsgeschichte in Mittel- und Südosteuropa. Festschrift für Nándor Kalicz zum 75. Geburtstag (Budapest 2003) 61-81.

B. Prinz, Mesolithic Adaptations on the Lower Danube. Vlasac and the Iron Gates Gorge. BAR International Series 330 (Oxford 1987).

I. Radovanović, The Iron Gates Mesolithic. International Monographs in Prehistory, Archaeological Series 11 (Ann Arbor 1996).

M. Roksandić, Between Foragers and Farmers in the Iron Gates Gorge: Physical Anthropology Perspective Djerdap Population in Transition from Mesolithic to Neolithic. Documenta Praehistorica 27, 2000, 1-100.

M. Sailer, Studien zur Lepenski Vir-Kultur. Darstellung und Interpretation der Kulturmerkmale und Befunde. Jahresschr. Mitteldeutsche Vorgesch. 79, 1997, 9-109.

D. Srejović, Lepenski Vir. Nova praistorijska kultura u Podunavlju (Beograd 1969).

D. Srejović/Z. Letica, Vlasac. Mesolitsko naselje u Đerdapu. Tom I: Archeologija; Tom II: Geologija – Biologija – Antropologia (Beograd 1978).

M. Sladić, Kula près de Mihailovac – une site préhistorique. Compte-rendu des fouilles de 1980. Cahiers des Portes de Fer 3, 1986, 432-442.

Weitere Literaturangaben

C. Bonsall/R. Lennon/K. McSweeney/C. Stewart/D. Harkness/V. Boroneanţ/L. Bartosiewicz/R. Payton/J. Chapman, Mesolithic and early Neolithic in the Iron Gates: a palaeodietary perspective. Journal European Arch. 5/1, 1997, 50-92.

D. Borić, Places that created time in the Danube Gorges and beyond, c. 9000-5500 BC. Documenta Praehistorica 26, 1999, 41-70.

M. Budja, The transition to farming in Mediterranean Europe - an indigenous response. Documenta Praehistorica 26, 1999, 119-141.

J. Chapman, Social power in the Iron Gates Mesolithic. In: J. Chapman/P. Dolukhanov (eds.), Cultural transformations and interactions in Eastern Europe (Avebury 1992) 71-121.

G. Cook/C. Bonsall/R. E. M. Hedges/K. McScweeney/V. Boroneanţ/L. Bartosiewicz/P. B. Pettitt, Problems of dating human bones from the Iron Gates. Antiquity 76, 2002, 77-85.

I. Radovanović, Mesolithic/Neolithic contacts: a case of the Iron Gates region. Poročilo o raziskovanju paleolitika, neolitika in eneolitika v Sloveniji 23, 1996, 39-48.

I. Radovanović, Houses and burials at Lepenski Vir. European Journal of Archaeology 3/3, 2000, 330-349.

I. Radovanović/B. Voytek, Hunters, fishers or farmers: sedentism, subsistence and social complexity in the Djerdap Mesolithic. Analecta Praehist. Leidensia 29, 1997, 19-31.

I. Radovanović, Not just a Good Place for Fishing: Meso-Neolithic Contact at the Site of Lepenski Vir in View of the New AMS and Stable Isotope Evidence. In: N. Tasić/C. Grozdanov (Hrsg.), Homage to Milutin Garašanin (Belgrade 2006) 69-77.

M. Roksandić, Between foragers and farmers in the Iron Gates Gorge: physical anthropology perspective. Djerdap population in transition from Mesolithic to Neolithic. Documenta Praehistorica 27, 2000, 1-100.

Weblinks