Die Theiß-Kultur (Theiß - Herpály - Csőszhalom)

english version

Letzte Änderung: Juli 2009

Die spätneolithische Theiß-Kultur ist nach dem ostungarischen Fluss Theiß benannt, der in der Ukraine aus den beiden Quellflüssen Schwarze und Weiße Theiß entspringt und unterhalb von Novi Sad in die Donau mündet. An der Theiß und ihren Zuflüssen (vor allem Körös und Berettyó im Osten und Zagyva im Westen) befinden sich zahlreiche Fundorte der Kultur.

Die erste Gliederung des ungarischen Neolithikums geht auf F. von Tompa zurück (Tompa 1929). Er erkannte und definierte an Hand des ihm vorliegenden Fundmaterials einen Horizont mit “Spiralmäander-Keramik”, i. e. die heute als Alföld-Linearbandkeramik bzw. östliche Linearbandkeramik bezeichnete Kultur, aus der die Bükk-Kultur hervorgehe. Aus dieser habe sich dann die Theiß-Kultur entwickelt. Nach den Ausgrabungen von Hódmezővásárhely durch J. Banner 1929 glaubte man zunächst, dass Fundmaterial der Körös-Kultur die dritte Phase der Theiß-Kultur bilde (Banner 1929); nach den Ausgrabungen des Tells von Vinča und in Kenntnis von dessen Schichtenfolge wurde dies jedoch korrigiert und die Körös-Kultur vor die Theiß-Kultur und die östliche Linearbandkeramik eingeordnet. J. Csalog formulierte in den 1940er Jahren die These, dass die Theiß-Kultur zeitlich parallel zur Bükker Kultur verlaufe (Csalog 1941). Dies lag unter anderem darin begründet, dass sich lange Material der Szakálhát-Gruppe der östlichen Linearbandkeramik nicht genau von Material der Theiß-Kultur abgrenzen ließ (vgl. Kalicz/Raczky 1990, 12). Die genaue Gliederung der östlichen Linearbandkeramik erfolgte erst in den 1960er Jahren, womit das chronologische Gerüst Körös - östliche Linearbandkeramik - Szakálhát/Bükk - Theiß nun verankert wurde. Eine zusammenfassende Arbeit zur Theiß-Kultur entstand erstmals 1972 durch J. Korek und wurde 1989 publiziert. Die Erforschung und Beschreibung der Kulturgruppen Herpály und Czőszhalom geht auf I. Bognár-Kutzián, N. Kalicz, J. Korek und P. Patay zurück (Bognár-Kutzian 1966; Korek/Patay 1956; Kalicz 1959). Ein wichtiges und noch immer aktuelles Kompendium stellt der ausführliche Ausstellungskatalog “Alltag und Religion. Jungsteinzeit in Ost-Ungarn” dar (Meier-Arendt 1990).

Verbreitung

In ihrer Frühphase nimmt die Theiß-Kultur ein großes Gebiet ein, das im Süden bis in die Vojvodina Nordserbiens und im Norden bis in die Slowakei und die Ukraine reicht. Im Osten häufen sich Siedlungen entlang der Körös und ihrer Quellflüsse. Ferner finden sich Siedlungen auch in Rumänien, besonders an der Mureş. Im Westen wird die Theiß nur vereinzelt überschritten.


Verbreitung der Theiß-Kultur.

In einer fortgeschrittenen Phase der Theiß-Kultur bilden sich regionale Gruppierungen. Während sich klassisches Theiß-Material weiterhin im mittleren und südlichen Theiß-Gebiet findet, entsteht im Flachland der ungarischen Tiefebene im Bereich des Flusses Berettyó bis, mit einzelnen Siedlungen, weit nach Rumänien hinein die sogenannte Herpály-Kultur, die nach dem eponymen Fundort Berettyóújfalu-Herpály benannt ist. Sie ist unter anderem durch das Vorkommen bemalter Keramik charakterisiert.

Am Oberlauf der Theiß, in Nordungarn und der Ostslowakei, treten die Hinterlassenschaften der Czőszhalom- (auch Czőszhalom-Oborín-)Gruppe in Erscheinung.

Totenritual

Während in der Theiß-Kultur und der Czőszhalom-Gruppe die Toten innerhalb der Siedlungen in kleinen Gruppen bestattet wurden, liegen die Verstorbenen in der Herpály-Kultur außerhalb der Tells (hierzu und zum Folgenden zusammenfassend Kalicz/Rackzy 1990, 26-27). Die Toten wurden in Hockerlage auf der Rechten oder linken Seite niedergelegt, wobei dies nicht geschlechtsspezifisch sein muss.

Im Norden und im Bereich der Czőszhalom-Gruppe kommen außerdem Rückenstrecker vor. Neben regulären Bestattungen in Gräbern treten auch Verlochungen in Abfallgruben auf. Die Orientierung der Toten ist unregelmäßig. Häufiger auftretende Ausrichtungen sind W-O oder O-W mit leichten Abweichungen nach Norden oder Süden. Neben verschiedenen Beigaben wie Keramik, Schmuck- und Trachtbestandteilen und selten Prestigeobjekten treten in den Gräbern oft Streuungen von Ocker bzw. Ockerklumpen auf. Generell sind Beigaben eher selten und dürftig.

In der Theiß-Kultur finden sich Belege für sargartige Holzkisten, in Theiß und auch Herpály wurden die Toten bisweilen in Schilfmatten eingewickelt. Als Ausnahme kommen Brandschüttungsgräber, Tote, die in Bauchlage bestattet wurden, und Mehrfachbestattungen vor. Säuglinge und Kleinkinder begrub man bisweilen in Pfostenlöchern und unter Fußböden.

Siedlungswesen

Nach N. Kalicz und P. Raczky (Kalicz/Raczky 1990) lassen sich die Siedlungstypen innerhalb der Theiß-Kultur dreigliedern: Zum einen kommen Tellsiedlungen vor, deren Kulturschichten eine Mächtigkeit von bis zu vier Metern erreichen; darüber hinaus gibt es tellartige Siedlungen mit geringeren Schichtdicken und lockererer Bebauung; und schließlich treten auch einschichtige Flachsiedlungen auf.

Tells und tellartige Siedlungen liegen in der Regel im südlichen Teil des Verbreitungsgebietes, südlich der Körös (Makkay 1991, 319). Das Anlegen von Tellsiedlungen lässt sich nicht aus der vorangegangen östlichen Linearbandkeramik herleiten. Vielmehr wird man hier an Einflüsse aus dem Vinča-Kulturkreis oder aus Bulgarien denken wollen, während die nördlicheren Flachsiedlungen dem gängigen Siedlungswesen entsprechen, das zeitgleich auch in der Lengyel-Kultur Usus war. Nachgewiesen ist, dass bisweilen im Umfeld von Tells kleine Flachsiedlungen existierten, die möglicherweise in Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Versorgung zu betrachten sind. Tell- und Flachsiedlungen liegen in Gewässernähe, auf hochwassergeschützten Erhebungen (Link 2006, 60).

Die Häuser sind in der Regel rechteckig bis trapezförmig, weisen Böden aus gestampftem Lehm mit bisweilen nachweisbaren hölzernen oder steinernen Substruktionen auf und wurden in Pfostenbauweise errichtet; für manche Gebäude wird eine Zweistöckigkeit vermutet (Link 2006, 53-55). Das Innere der Häuser ist durch Wände gegliedert, Öfen, Lehmbänke und Pithoi vervollständigen die Aufzählung der Einbauten (Kalicz/Raczky 1990, z. B. 38 mit Abb. 19 u. 39 mit Abb. 22).

Die Größe der Tellsiedlungen schwankt beträchtlich, und es sei an dieser Stelle auf die geringe Größe der Tellsiedlungen der Herpály-Kultur hingewiesen. Die Häuser sind etwa parallel zueinander errichtet, die Bebauungsdichte und die Ausrichtung sind Schwankungen unterworfen (Link 2006, 56-57). Die Tellsiedlungen sind oft von Gräben umgeben.

Erhaltene Getreidereste von Emmer, Einkorn, Gerste und Hirse sowie Erbse liefern Indizien auf die Wirtschaftsweise der Theiß-Kultur. Das Verhältnis von Wild zu Haustieren konnte starken Schwankungen unterworfen sein. Wichtigste Haustiere waren Rind und Schwein, gefolgt von Schaf und Ziege; unter den Wildtieren finden sich Überreste vom Ur, Hirsch, Reh und Wildschwein. Außerdem wurden Muscheln und Wildobst gesammelt.

Fundgut

Wichtigste Fundgattung der Theiß-Kultur ist die Keramik; sie dient zur Erstellung der Chronologie und zur Abgrenzung regionaler Gruppierungen. Sie ist nun nicht mehr wie in vorangegangenen Perioden mit Spreu, sondern mit Sand gemagert.

Raczky gliederte die Theiß-Kultur 1992 an Hand der Keramik in drei Stufen I-III (hierzu und zum Folgenden daher Raczky 1992). Die Stufe Theiß I steht mit ihrer Keramik der vorangehenden Szakálhát-Kultur noch sehr nahe. Das Spektrum der Gefäßformen umfasst halbkugelige Gefäße mit Standboden oder Standfuß, doppelkonische Gefäße mit trichterförmigem Hals sowie gegliederte Becherformen. Neben Ritzverzierung, die der der Szakálhát-Gruppe sehr ähnlich sieht, tritt nun aber als neues Element Keramik mit einem Bitumenüberzug auf, in den zu Mustern angeordnete Strohstücke eingelegt wurden. Diese Art der Zierweise verschwindet mit dem Ende von Theiß I und wird von Bemalung in Form schwarzer Bänder abgelöst. Kennzeichnend für die entwickelte Theiß-Kultur (Phase Theiß II) sind dann flächig ritzverzierte Gefäße. Die Ornamentik bedeckt oft den ganzen Gefäßkörper und wird aufgrunddessen als “teppichartig” klassifiziert. Motive umfassen Mäander und Winkel, die in Felder unterteilt sind. Bemalung kommt weiterhin, in Kombination mit Ritzverzierung, vor. Formen sind nun vermehrt Fußgefäße, ferner zylindrische oder konische Gefäße sowie als Sonderform Deckel mit anthropomorphen Griffen. Die letzte Phase der Theiß-Kultur (Theiß III) ist durch das Verschwinden der Verzierung gekennzeichnet. Stattdessen treten lediglich noch plastische Elemente wie Knubben, Buckel, Warzen oder Ösen auf. In der Formensprache und der Absenz von Verzierung kündigt sich bereits die kupferzeitliche Tiszapolgár-Kultur an.

Die Keramik der Herpály-Kultur ist dagegen bemalt. Diese Bemalung wurde nach dem Brand direkt auf den Ton oder auf eine helle Grundierung aufgetragen. In einer ersten Stufe der Entwicklung (Herpály I und II) treten feine schwarze Streifen auf. Später folgen Kombinationen aus breiten roten Bändern und dünnen weißen Streifen (Herpály III), bis schließlich zuletzt nur noch weiß bemalt wird. Die Motivik beinhaltet geometrische Ornamente, etwa Fischgrät-, Gitter- und Flechbandmuster. Wie in der späten Phase der Theiß-Kultur tritt auch am Ende der Herpály-Entwicklung vermehrt plastische Verzierung (Knubben, Buckel) auf. Das Formengut setzt sich aus Schalen, Schüsseln, Töpfen, Flaschen und Amphoren zusammen, daneben gibt es aber auch Gefäße auf Röhrenfüßen und sogenannte Gefäßuntersätze.

Czőszhalom-Keramik ist auf Grund ihrer pastos rot-weiß bemalten Keramik mit der Herpály-Kultur verwandt, es tritt jedoch daneben auch Theiß-Keramik auf.

Außerdem könnte man evtl. noch die “Buckelkeramik” der sogenannten “Gorsza-Gruppe” an der Maros-Mündung abtrennen, die, ähnlich wie Herpály, durch Bemalung und plastische Applikationen gekennzeichnet ist (Horvath 1990, 36-37).

Schließlich sei an dieser Stelle auf keramische Funde hingewiesen, die dem kultischen Bereich zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um anthropomorphe Gefäße, Handhaben in Form von Deckelgriffen und Applikationen. Auch zoomorphe Darstellungen und “Altäre”, teilweise mit Gesicht, sind bekannt. Besonders bemerkenswert sind die zwischen ca. 20 und 35 cm hohen anthropomorphen Gefäße von Kökénydomb, die reich verziert sind, sowie einige auf Podesten sitzende männliche und weibliche Figuren, die teilweise mit Attributen versehen sind (erkennbar sind z. B. Armreifen und Werkzeuge, möglicherweise Sicheln oder Äxte). Die Stücke wurden bisweilen im Inneren der Häuser gefunden und geben einen Hinweis auf die Ausübung des Kultes. In den Gesichtsgefäßen offenbaren sich Verbindungen zur vorangegangenen Szakálhát-Phase der östlichen Linearbandkeramik. Hier sei noch auf ein besonders großes Gesichtsgefäß hingewiesen, das wohl ca. 72 cm hoch war und vielleicht als Vorratsbehälter diente (Raczky 2000). Es ist bislang ohne Parallele. Ein Kuriosum, möglicherweise auch eine Fälschung, ist ein anthropomorphes Gefäß aus der “Biblioteca Malatestiana” in Cesena, Italien (Bagolini 1992). Es handelt sich um ein birnenförmiges Gefäß mit großen Brüsten. Die Arme sind zu den Brüsten geführt. Dünne, in den Knien gewinkelte Beine erwecken den Eindruck, als sitze das Gefäß. Es ist reich mit Motiven verziert, die an die Keramik der Theiß-Kultur erinnern. Die Herkunft ist ungewiss.

Felsgesteingeräte, Rohlinge und auch Halbfabrikate z. B. von Querbeilen und Äxten sind ebenso aus der Theiß-Kultur bekannt wie verschiedene Silexgeräte. Daneben treten Mahl-, Schleif- und Reibsteine auf.

Das Spektrum der Knochen- und Geweihgeräte umfasst Ahlen, Nadeln, Glätt- und Poliergeräte, Meißel, Hammeräxte, Dechsel, Bohrer, Hämmer, Spitzen, Harpunen und Angelhaken.

Trachtbestandteile finden sich in erster Linie in den Gräbern. Häufig kommen Perlen aus Ton, Knochen, Zahn, Stein (z. B. Marmor), Muschel, Spondylus und Kupfer vor. Sie wurden als Ketten an Kopf, Hals, Armen, Hüfte und unterhalb des Knies getragen oder, in Stückzahlen von mehreren Tausend und bisweilen rot und blau gefärbt, als Kleiderbesatz verwendet. Auch durchbohrte Hirschgrandeln wurden gefunden. Armreifen bestanden wie in vorangegangengen Zeiten aus Spondylus, aber nun auch erstmals und am Ende der Theiß-Kultur bzw. am Beginn von Tiszapolgár, aus Kupfer. Selten kommen auch kleine Kupferperlen vor. Ferner treten Knochenringe und -kämme, Anhänger aus Knochen und Muscheln und Knochennadeln auf.

Chronologie und Beziehungen

Die Theiß-Kultur folgt in Ostungarn auf die jüngsten Gruppen der östlichen oder Alföld-Linearbandkeramik. Insbesondere die Szakálhát-Gruppe spielt in dieser Hinsicht eine große Rolle, denn ihr Material, besonders die Keramik, weist eine solch starke Ähnlichkeit zur Theiß-Kultur auf, dass beide unter Umständen nicht voneinander zu trennen sind (Makkay 1991, 321). Durch Vertikalstratigrafien ist ferner die Abfolge Theiß – Tiszapolgár abgesichert. Allgemein wird zwischen der Theiß-Kultur und der Tiszapolgár-Kultur noch eine Zwischenstufe, Proto-Tiszapolgár, eingeschoben, wobei die genaue Abgrenzung zwischen den einzelnen Stufen noch unklar ist. Mit der Tiszapolgár-Kultur beginnt in Ostungarn die frühe Kupferzeit.

In etwa parallel zur Entwicklung der Theiß-Kultur entwickeln sich in Transdanubien die Stufen Lengyel I und II sowie im Balkan spätes Vinča B2, Vinča C und evtl. auch noch Vinča D1. In Rumänien finden sich die späteren Ausprägungen der Bukovaţ-Gruppe sowie schließlich die Gruppen Petreşti und Foeni.

Absolutchronologisch betrachtet liegt die Theiß-Kultur in etwa zwischen 4900 – 4500/4400 cal. BC (vgl. hierzu die neuen 14C-Daten von Polgár-Csőszhalom: Bánffy/Bognár-Kutzian 2007, 212).

Wolhynischer Silex und Schokoladenfeuerstein weisen auf Fernbeziehungen nach Polen und die Ukraine hin (Kaczanowska 1985). Das Vorkommen von Marmor lässt auch auf Kontakte nach Süden schließen. Ein Armreif aus böhmischem Kalkstein ist ein Unikat (Kalicz/Raczky 1990, 22-23). Obsidian könnte auf Beziehungen zur Slowakei schließen lassen, wo er im Bereich der Zemplén/Zemplín-Berge vorkommt (vgl. http://www.flintsource.net/nav/frm_mapobsid.html). Spondylus weist auf Kontakte zur Ägäis hin, während das frühe Kupfer in der Theiß-Kultur klassischerweise Siebenbürgen bzw. dem Balkan zugewiesen wird.

Außerdem finden sich zahlreiche Belege von “fremder” Keramik in Siedlungen der Theiß-Kultur, nicht nur aus den regionalen Gruppierungen Herpály und Czőszhalom. Bester Beleg für intensive Beziehungen zur Vinča-Kultur ist die Siedlung von Čoka, wo sich Theiß- und Vinča-Kultur zu mischen scheinen (Banner 1960). Kontakte zur benachbarten Lengyel-Kultur sind ebenfalls belegt. Solche Kontakte äußern sich in ähnlichen Keramikformen und auch in Form kultischer Funde sowohl im Theißgebiet (Rackzy 2002) als auch in Transdanubien (Kalicz/Raczky 1990, 23; Zalai-Gaál 2002), wo in Aszód oder Mórágy-Tűzkődomb Gefäße der Herpály-Kultur gefunden wurden.

Das Ende der Theiß-Kultur und der Beginn der frühen Kupferzeit in Ostungarn werden viel diskutiert. Besonders das Abbrechen der neolithischen Tellsiedlungen führte zu Spekulationen in Bezug auf gesellschaftliche, wirtschaftliche, religiöse oder klimatische Veränderungen (zusammenfassend Link 2006, 65-81). Im Gegensatz zu den Siedlungsbestattungen der Theiß-Kultur treten in der Tiszapolgár-Kultur nun regelrechte Gräberfelder auf. Die in Ansätzen schon fassbare soziale Differenzierung in der Theiß-Kultur offenbart sich jetzt verstärkt in mit zahlreichen, seltenen und/oder ungewöhnlichen Beigaben ausgestatteten Toten und besonderen Lagen im Gräberfeld. Erwähnenswert ist daneben auch das völlige Verschwinden anthropomorpher und zoomorpher Darstellungen, die in der Theiß-Kultur äußerst häufig vorkamen.

Was letztlich diese Veränderungen auslöste, ist weiterhin nicht zu beantworten, interne und/oder externe Einflüsse stehen zur Diskussion. Festzuhalten bleibt der oben skizzierte Wandel in Hinblick auf das Siedlungswesen, das Totenritual und weite Bereiche des Kultes.

Literatur

B. Bagolini, Vaso antropomorfo presso la Biblioteca Malatestiana di Cesena. In: L’Arte in Italia dal Paleolitico all’Età del Bronzo. In memoria di Paolo Graziosi. Atti della XXVIII Rinunione Scientifica, Istituto Italiano di Preistoria e Protostoria, Firenze, 20-22 novembre 1989 (Firenze 1992) 425-431.

E. Bánffy/I. Bognár-Kutzián, The Late Neolithic Tell Settlement at Polgár-Csőszhalom, Hungary. The 1957 excavation. BAR International Series 1730 (Oxford 2007).

J. Banner, Adatok a körömmel díszített edények kronológiájához. Arch. Ért. 43, 1929, 23-34 u. 322.

J. Banner, The Neolithic settlement on the Kremenyák Hill at Csóka (Čoka). Acta Arch. Hungaricae 12, 1960, 1-56.

I. Bognár-Kutzián, Das Neolithikum in Ungarn. Arch. Austriaca 40, 1966, 249-280.

J. Csalog, A magyarországi újabbkőkori agyaművesség bükki és tiszai csoportja. Folia Arch. 3-4, 1941, 1-27.

F. Horvath, Hódmezővásárhely-Gorzsa. Eine Siedlung der Theiß-Kultur. In: W. Meier-Arendt (Hrsg.), Alltag und Religion. Jungsteinzeit in Ostungarn. Ausstellungskat. Frankfurt/Main (Frankfurt am Main 1990) 35-52.

M. Kaczanowska, Rohstoffe, Technik und Typologie der neolitischen Feuersteinindustrien im Nordteil des Flussgebietes der Mitteldonau (Warszawa 1985).

N. Kalicz, Zsáká-Markó, Zsáka-Várdomb. Archäologische Forschungen. Régeszeti Füzetek 9, 1959, 14-15.

N. Kalicz/P. Raczky, Das Spätneolithikum im Theißgebiet. Eine Übersicht zum heutigen Forschungsstand aufgrund der neuesten Ausgrabungen. In: W. Meier-Arendt (Hrsg.), Alltag und Religion. Jungsteinzeit in Ostungarn. Ausstellungskat. Frankfurt/Main (Frankfurt am Main 1990) 11-34.

J. Korek/P. Patay, A Herpályi-halom kőkorvégi és rézkori települése. Folia Arch. 8, 1956, 23-42.

J. Korek, Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend (Budapest 1989).

Th. Link, Das Ende der neolithischen Tellsiedlungen. Ein kulturgeschichtliches Phänomen des 5. Jahrtausends v. Chr. im Karpatenbecken. Universitätsforsch. Prähist. Arch. 134 (Bonn 2006).

J. Makkay, Entstehung, Blüte und Ende der Theiß-Kultur. In: J. Lichardus (Hrsg.), Die Kupferzeit als historische Epoche. Symposium Otzenhausen. Saarbrücker Beitr. Altkde. 55 (Bonn 1991) 319-328.

W. Meier-Arendt (Hrsg.), Alltag und Religion. Jungsteinzeit in Ostungarn. Ausstellungskat. Frankfurt/Main (Frankfurt am Main 1990).

P. Raczky, The Tisza Culture of the Great Hungarian Plain. Stud. Praehist. 11/12, 1992, 162-176.

P. Raczky, A unique face pot from the Öcsöd-Kováshalom settlement of the Tisza culture. Acta Arch. Acad. Scien. Hungaricae 51,1-4, 1999/2000 (2000) 9-22.

P. Raczky, Evidence of contacts between the Lengyel and Tisza-Herpály cultures at the late Neolithic site of Polgár-Csőszhalom (Relationships between Central European and Balkan ritual practice and sacral thought in the Upper Tisza Region). Budapest Régiségei 36, 2002, 79-92.

F. von Tompa, Die Bandkeramik in Ungarn. Arch. Hungarica 5-6 (Budapest 1929).

I. Zalai-Gaál, Theiß-Importe aus Mórágy-Tűzkődomb. Antaeus 25, 2002, 243-253.

Weitere Literatur

J. Banner, A Kökénydombi neolithkori telep. Die neolithische Ansiedelung von Kökénydomb (Szeged 1931).

J. Banner, Das Tisza-, Maros-, Körösgebiet bis zur Entwicklung der Bronzezeit (Szeged 1942).

F. Horváth, Neolithic boat model from Hódmezővásárhely-Gorzsa. In: E. Jerem/P. Raczky, Morgenrot der Kulturen. Frühe Etappen der Menschheitsgeschichte in Mittel- und Südosteuropa. Festschrift für N. Kalicz zum 75. Geburtstag. Archaeolingua 14 (Budapest 2003) 263-276.

N. Kalicz, Über die Probleme der Beziehungen der Theiss- und der Lengyel-Kultur. Acta Arch. Acad. Scien. Hungaricae 22, 1970, 13-23.

N. Kalicz, Siedlungsstruktur der neolithischen Herpály-Kultur in Ostungarn. In: A. Aspes (Hrsg.), Settlement Patterns between the Alps and the Black Sea 5th to 2nd Millennium B.C. Symposium Verona - Lazise 1992 (Verona 1995) 67-75.

N. Kalicz/P. Raczky, Preliminary Report on the 1977-1982 Excavations at the Neolithic and Bronze Age Tell Settlement of Berettyóújfalu-Herpály. Part I: Neolithic. Acta Arch. Acad. Scien. Hungaricae 36,1-4, 1984, 85-136.

N. Kalicz/J. G. Szénászky, Spondylus-Schmuck im Neolithikum des Komitats Békés, Südostungarn. Prähist. Zeitschr. 76,1, 2001, 24-54.

J. Lichardus/M. Lichardus-Itten, Spätneolithische Funde von Čičarovce (Ostslowakei) und das obere Theißgebiet an der Schwelle zur frühen Kupferzeit. Saarbrücker Stud. u. Mat. Altkde. 4/5, 1995/96, 143-249.

W. Meier-Arendt, Zu Tells und tellartigen Strukturen im Spätneolithikum Ost-Ungarns, Siebenbürgens und des Banats. Überlegungen zu Funktion und Entstehung. Banatica 11, 1991, 75-83.

P. Raczky, Neolithic settlement patterns in the Tisza region of Hungary. In: A. Aspes (Hrsg.), Settlement Patterns between the Alps and the Black Sea 5th to 2nd Millenium B.C.. Symposium Verona - Lazise 1992 (Verona 1995) 77-86.

P. Raczky/A. Anders, Social dimensions of the Late Neolithic settlement of Polgár-Csőszhalom (Eastern Hungary). Acta Arch. Acad. Scien. Hungaricae 57,1-3, 2006, 17-33.

J. Vizdal, Potiská kultúra na východnom Slovensku (Košice 1980).


© 2009 Valeska Becker
Hinweise zum Kopieren der Texte im Impressum.


Zurück zum Seitenanfang